Fotomontage. Euroscheine vor einem Gaszähler. (Foto: IMAGO / Sven Simon)

Weg vom Grundversorger, hin zum Billiganbieter?

Reporterin: Yvonne Schleinhege-Böffel/Onlinefassung: Dagmar Scherer   22.05.2023 | 12:15 Uhr

Nach einer aktuellen Analyse des Vergleichsportals Verivox senken 91 Strom- und 80 Gasgrundversorger ihre Preise. Doch kommt die Preissenkung auch bei den Verbrauchern an? Und worauf sollte man bei einem Wechsel achten?

Seit Anfang des Jahres sinken die Preise für Strom und Gas. Laut Verivox sind die Strompreise im Schnitt um 14 Prozent und die Gaspreise um 23 Prozent zurückgegangen. Dabei bezieht sich Verivox auf die Grundversorger, also die Energieversorger, die im jeweiligen Netzgebiet die meisten Haushalte mit Strom oder Gas versorgen. Und alle Kunden haben Anspruch von diesen Energieversorgern beliefert zu werden.

Audio

"Dass die Grundversorger teurer sind, liegt an den Einkaufsstrategien"
Audio [SR 3, Moderation: Dorothee Scharner, 22.05.2023, Länge: 03:50 Min.]
"Dass die Grundversorger teurer sind, liegt an den Einkaufsstrategien"
Studiogespräch mit Yvonne Schleinhege-Böffel aus der SR-Wirtschaftsredaktion.

In unserer Region sind Energie SaarLorLux, Energis und die örtlichen Stadtwerke diese Grundversorger. Im Saarland haben Energie SaarLorLux und Energis auch bereits schon angekündigt, dass sie die Preise senken wollen. Auch bei Stadtwerken wird es wohl Preissenkungen geben. Die Stadtwerke Dillingen beispielsweise wollen ihre Stromtarife im Mittel um 15 Prozent senken, beim Gas hingegen wollen sie beim bisherigen Preis bleiben.

Warum sind die Grundversorgungspreise so hoch?

Nach Angaben von Verivox liegen 80 Prozent aller Strompreise und fast 90 Prozent aller Gaspreise bei der Grundversorgung über den Preisbremsen. Dass die Grundversorger damit größtenteils über den Preistarifen der überregionalen Anbieter liegen, hat mit den Einkaufsstrategien zu tun.

Grundversorger beschaffen sich ihre Energiemengen eher langfristig - bis zu drei Jahre im Voraus. Damit haben sie aktuell relativ viel Strom und Gas in ihrem Portfolio, das sie für teures Geld eingekauft haben.

Überregionale Anbieter

Überregionale Anbieter kaufen eher kurzfristig ein und können so aktuell von den günstigeren Preisen am Markt profitieren und sie dann auch ihren Kunden anbieten.

Die Kehrseite: Als die Energiepreise dramatisch in die Höhe geschossen sind, sind viele Billiganbieter insolvent gegangen. Die Kunden mussten von den Grundversorgern aufgefangen werden und durch diesen deutlichen Anstieg an Kunden, mussten die Grundversorger dann zusätzlich mehr Gas und Strom einkaufen - zwar zu den damals herrschenden, sehr hohen Preisen.

Lohnt sich wieder ein Anbieterwechsel?

Die Verbraucherschützer sind sich größtenteils einig, dass sich inzwischen ein Wechsel des Energieanbieters wieder lohnen kann. Ein paar Hundert Euro pro Jahr lassen sich dadurch durchaus einsparen.

Bevor man zu einem überregionalen Anbieter wechselt, kann es aber durchaus sinnvoll sein, erst einmal beim eigenen Energieversorger nachzufragen, ob er günstigere Tarife in seinem Angebot hat.

Wichtige Anhaltspunkte bieten auch die Tarifrechner, die im Internet zu finden sind. Doch Vorsicht: Nicht immer ist der günstigste Tarif auch der Beste bzw. Empfehlenswerteste.

Und wer seinen Anbieter wechselt, sollte sich nicht länger als zwölf Monate vertraglich binden, denn im Moment ist nicht abzusehen, wie der Markt sich weiter entwickelt.


Mehr zum Thema


Ein Thema in der "Region am Mittag" am 22.05.2023 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja