Euromünzen auf einem Sparbuch (Foto: dpa)

Wie kann man den Verwahrzinsen entgehen?

Interview: Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest

Interview: Michael Friemel / Onlinefassung: Jil Kalmes   22.04.2022 | 09:00 Uhr

Immer mehr Banken und Sparkassen erheben inzwischen Verwahrzinsen auf Erspartes. Woran das liegt und wie man trotzdem Geld sparen bzw. anlegen kann, das erklärt Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest im SR-Interview.

Immer mehr Geldinstitute fordern von ihren Kunden Verwahrzinsen. Liegt eine gewisse Summe auf dem Konto, kostet das Geld – man zahlt also Strafe, wenn man sparen möchte.

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Was kann man gegen Strafzinsen tun?
Audio [SR 3, Michael Friemel, 22.04.2022, Länge: 03:18 Min.]
Was kann man gegen Strafzinsen tun?
Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest im SR-Interview.

Warum gibt es gerade jetzt Strafzinsen?

Das Zinsniveau sei im Moment so niedrig, dass die Banken selbst Strafzinsen zahlen müssten, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen, sagt die Finanzexpertin Stephanie Pallasch von Stiftung Warentest.

Strafzinsen - von Bank zu Bank unterschiedlich

Im Moment könne man trotzdem noch sparen, denn nicht alle Banken haben die gleiche Regelung. Manche verlangen schon ab 25.000 Euro Strafzinsen und zählen nur das Sparkonto mit, andere Banken starten bei 50.000 Euro, zählen aber dafür das hinterlegte Gesamtvermögen. Sparkassenkunden etwa zahlen Negativzinsen ab 75.000 Euro auf dem Sparbuch und 25.000 Euro auf dem Girokonto. Die Sparda Bank Südwest erhebt ein Verwahrentgelt ab 50.000 Euro auf dem Girokonto und 50.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto und die Bank1Saar verlangt bei Guthaben über 100.000 Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent.

Stephanie Pallasch empfiehlt, das Geld auf mehrere Banken aufzuteilen. So könne man besser unter der Strafzinsengrenze bleiben. Im Zweifelsfall könnne man sich auch ein Geldinstitut aussuchen, das noch keine Strafzinsen verlange – auch diese gebe es zurzeit noch.

Alternative Anlagemöglichkeiten zum Sparkonto

In Anlagen zu investieren birgt immer ein gewisses Risiko. Wichtig sei, ein bis zwei Nettomonatsgehälter für Notfälle auf einem Tages- oder Sparkonto zur Seite zu legen, bevor man mit dem Investieren beginne, sagt Pallasch.

Das Investieren in ETFs eigne sich besonders für Menschen, die keinen direkten Zugriff auf ihr Geld benötigen und es mehrere Jahre unberührt liegen lassen können, so die Finanzexpertin. ETFs – also "Exchange Traded Funds" – sind Fonds, die nicht aktiv gemanaged werden. Sie haben in den letzten Jahren zwar recht gute Renditen erzielt - da sie an der Börse gehandelt werden, unterliegen sie aber trotzdem gewissen Schwankungen. Ein flexibles Verkaufsdatum ist daher von Vorteil.

Wann kommt die Zinserhöhung?

Zwar sei ein sehr leichter Zinsanstieg im Kreditbereich zu vermerken – vor allem in der Baufinanzierung - das alleine könne man allerdings nicht als Indiz für eine allgemeine Erhöhung sehen, sagt die Finanzexpertin.


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Ein Thema in den Sendungen "Guten Morgen" und "Region am Mittag" am 22.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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