Bosch, Homburg (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Die mobile Brennstoffzelle - Zukunftsperspektive für das Boschwerk

Karin Mayer   05.05.2020 | 16:30 Uhr

Es war ein langes und zähes Ringen. Seit Jahren fordern Arbeitnehmervertreter Zukunftsprodukte für das Diesel-Werk. Jetzt können drei Komponenten für die mobile Brennstoffzelle in Serie gehen. Das Bosch-Werk in Homburg bekommt damit eine echte Zukunftsperspektive.

Standortvereinbarungen für Bosch in Homburg
Audio [SR 3, Karin Mayer, 05.05.2020, Länge: 03:07 Min.]
Standortvereinbarungen für Bosch in Homburg
Was für eine Perspektive hat das Bosch-Werk in Homburg? Der Standort ist wie kein anderer vom Diesel abhängig. Hier werden Einspritzpumpen von Pkw und für Nutzfahrzeuge hergestellt. Seit Jahren baut der Konzern Personal ab. Genausolang fordert der Betriebsrat Zukunftsprodukte und hatte jetzt erstmals Erfolg. Das Diesel-Werk soll künftig auch Teile für die mobile Brennstoffzelle produzieren. Ob es soweit kommt, entscheiden die Mitarbeiter. Sie müssen dafür Zugeständnisse machen

Weil auch der Musterbau weitere Zusagen für weitere Wasserstoff-Anwendungen bekommt, kann das Diesel-Werk Kompetenzzentrum für Wasserstoff im Bosch-Konzern werden. Dabei geht es um Tanksysteme für Wasserstoff und um Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff. Der kaufmännische Werkleiter Oliver Frei sieht jedenfalls diese Perspektive.

Der Bosch-Konzern erwartet, dass die Brennstoffzelle der alternative Antrieb für Nutzfahrzeuge wird, also für Traktoren, Baustellenfahrzeuge oder Lkw. So könne auch der Bereich Nutzkraftwagen (Nkw) einen Beitrag zur CO2 Einsparung leisten, so ein Unternehmenssprecher. Es gibt jedoch ein Problem: Einen Markt für Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge gibt es noch nicht. Lkw mit Brennstoffzellenantrieb gibt es bisher nur im Testbetrieb. Insofern ist schwer absehbar, wie viele Jobs in Homburg dadurch gesichert werden.

Zusätzliche Produktionslinie aus den USA

Wichtiger für die Beschäftigung in den nächsten Jahren ist deshalb die Entscheidung, dass das Werk eine zusätzliche Produktionslinie für Diesel-Injektoren für Nutzfahrzeuge bekommt. Sie wird aus den USA nach Homburg verlagert. Bosch gibt den Standort in Charleston auf. Ab 2021 sollen die Nkw-Injektoren in Homburg gefertigt werden. Im Gegenzug geht 2022 eine weitere Pkw-Linie in die Türkei. Zwei weitere Pkw-Linien werden den Informationen zufolge eingestellt.

Video [aktueller bericht, 05.05.2020, Länge: 2:57 Min.]
Zukunftsperspektive für Bosch?

Stärker abhängig vom Nkw-Markt

Das Werk wird damit stärker als bisher vom Nutzfahrzeugmarkt abhängig. Eine Chance, glauben der Betriebsratsvorsitzende Oliver Simon und der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg Saarpfalz, Ralf Reinstädtler. Der Diesel-Antrieb werde bei schweren Nutzfahrzeugen noch länger eine Rolle spielen. In den nächsten Jahren werde es dadurch gelingen, Beschäftigung in Homburg zu sichern, so die Arbeitnehmervertreter. Allerdings: Auch der Nkw-Markt unterliegt immer wieder starken konjunkturellen Schwankungen. Im Bereich Nutzfahrzeuge bleibt Homburg Leitwerk im Bosch-Konzern und wird dadurch gestärkt. 

Beschäftigte müssen auf Lohn verzichten

Das alles wird in einer umfangreichen Standortvereinbarung geregelt. Die Beschäftigten müssen dafür fünf Jahre lang auf Teile ihres Gehalts verzichten. Zum einen wird die Arbeitszeit verkürzt, zum anderen verlieren sie die Hälfte einer Zulage. Die Arbeitszeit wird zunächst um drei Stunden verkürzt, steigt aber bis 2026 wieder auf 35 Stunden an. Im Gegenzug werden betriebsbedingte Kündigungen fünf Jahre lang ausgeschlossen.

50 Millionen Euro Investitionen

Durch die Einsparung werden Zukunftsinvestitionen in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro am Standort finanziert. Bezahlt wird das im Grunde von den Beschäftigten selbst. Der Betriebsratsvorsitzende Oliver Simon ist trotzdem mit der Vereinbarung zufrieden. Diese Investitionen werden länger wirken, sagt er. Damit investiere man in die Zukunftsprodukte.

Die Standortvereinbarung wird erst gültig, wenn die Mitarbeiter zustimmen. Die Befragung läuft bis zum 15. Mai. Weil derzeit keine Betriebsversammlungen möglich sind, werden die Beschäftigten per Mail, Post und über soziale Netzwerke informiert.

Aus Musterbau wird Serie

Bosch-Betriebsrat für Brennstoffzelle
Video [SR.de, Karin Mayer, 05.03.2020, Länge: 00:49 Min.]
Bosch-Betriebsrat für Brennstoffzelle

Drei Komponenten für die mobile Brennstoffzelle wurden bereits im Musterbau in Homburg gefertigt. Zum einen der elektrische Luftverdichter. Er versorgt die Brennstoffzelle mit Sauerstoff. Außerdem ein Rezirkulationsgebläse. Es führt überschüssigen Wasserstoff der Wiederverwendung zu. Ein Wasserstoffdosierventil ist die dritte Komponente für Homburg, eine Art Injektor für Wasserstoff.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 05.05.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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