Süße Grüße im St. Ingberter Briefwahllokal

Süße Grüße im Briefwahllokal

Audio [SR 3, Thomas Gerber, 15.05.2019, Länge: 02:19 Min.]

Thomas Gerber   15.05.2019 | 16:30 Uhr

Die St. Ingberter Kommunalpolitik ist landesweit ein Begriff - streiten sich die Beteiligten doch mit einer durchaus einmaligen Intensität. Volksparteien zerfallen da schon mal in zwei Lager, im Stadtrat herrscht eine ungewöhnliche Fraktionsfülle. Kein Wunder also, dass es auch angesichts des bevorstehenden Superwahlsonntags, inklusive Oberbürgermeisterwahl, in der Ingobertusstadt wieder hoch hergeht. Mitten in seinem OB-Wahlkampf hat der parteilose Amtsinhaber Hans Wagner nun einen - das meinen zumindest einige in der Stadt - handfesten, wenn auch "süßen" Skandal an der Backe. Ein ironischer Blick auf die Sache von SR-Reporter Thomas Gerber.

Video [aktueller bericht, 15.05.2019, Länge: 2:52 Min.]
Immer mehr Saarländer nutzen Briefwahl

Von "Schokogate" ist unter Insidern bereits die Rede. Da habe es der selbstgerechte Hans aber mal wieder übertrieben, mit dem Fünf-Gerade-Sein-Lassen, und schon wieder Grenzen überschritten.

Fakt ist: Die Sache ist bei Landeswahlleiterin Zöllner gelandet. Auch wenn er es zwischenzeitlich offenbar nicht mehr so recht wahrhaben will - Wagners Intimfeind, der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Pascal Rambaud, hatte sich vor einer Woche per E-Mail an Frau Zöllner gewandt und - wie er schrieb - von einem saarlandweit einmaligen Vorgang berichtet; dass nämlich ein Kandidat, gemeint ist OB-Wagner, im Briefwahlbüro Wähler empfange, Tipps zur Wahl gebe und dann auch noch Geschenke verteile. Alles öffentlich wahrnehm- und abrufbar auf der offiziellen Facebook-Seite der Stadt.

Was ist geschehen?

Zur Eröffnung des Briefwahlbüros Ende April eilte Wagner ein paar Türen weiter. Der Chef selbst ließ es sich nicht nehmen, die ersten beiden Briefwähler persönlich zu begrüßen. Ein Ehepaar aus Rohrbach, zufällig ein alter Schulkamerad Wagners. Shake-Hands vor laufender Kamera von Wagners Pressesprecher, der nicht ganz zufällig zugegen war. Wagner überreichte den beiden Bekannten aus Dankbarkeit fürs Wählengehen eine Schachtel Schokoriegel - merci chérie.

Das dieses süße Merci nun für derart Wirbel sorgt, Wagner kann es nicht nachvollziehen. Angesichts der vielen Kreuzchen, die in zwei Wochen zu machen seien, habe er fürs Wählengehen an sich und auch fürs Briefwählen werben wollen. Da das mit den Kreuzchen und 50 Angeboten in Europa doch so kompliziert sei und man beim Briefwählen mehr Ruhe habe.

Also je ne regrette rien sagt der Hans, merci chérie - was soll das Ganze. Mit Wahlkampf oder Wahlwerbung für die eigene Person habe das jedenfalls nix zu tun. Mit gebotener Zurückhaltung eines Amtsinhabers, cherie, allerdings auch nix. Wagner wurde von Gemeinde- und Landeswahlleitung zur Stellungnahme aufgefordert. Die Schokoriegel, die er selbstverständlich aus eigener Tache bezahlt habe, könnten dem Amtsinhaber also noch ganz schön bitter aufstoßen. Juristisch vielleicht weniger - aber vielleicht sagen am Ende ja seine OB-Herausforderer, einer der beiden Meiers - merci cher "Hans".


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