Saarländer wehrt sich gegen Sparkasse

Langjähriger Sparvertrag gekündigt

Audio [SR 3, Emil Mura, 02.08.2019, Länge: 02:47 Min.]

Emil Mura   02.08.2019 | 12:20 Uhr

Bei den derzeitigen niedrigen Zinsen lohnt sich der Abschluss eines Sparvertrages kaum noch. Umso erfreulicher, wenn man vor vielen Jahren einen gut verzinsten Vertrag abgeschlossen hat - so wie Friedrich K. aus Gersweiler. Doch nun hat die Sparkasse seinen Vertrag zum 1. November gekündigt. Nahezu gleichzeitig hat ihm ein unabhängiger Gutachter bescheinigt, dass dieser alte Vertrag jahrzehnte lang zu niedrig bezinst wurde.

Bei dem Vertrag von Friedrich K. handelt es sich um einen sogenannte Prämiensparvertrag, abgeschlossen vor 23 Jahren mit der Sparkasse Saarbrücken. Er hat jedes Jahr einen gewissen Betrag eingezahlt, die Sparkasse legte eine jährlich steigende Prämie drauf. Zusätzlich gab es auf das Ersparte Zinsen. Laut Gutachter war der zu Grunde gelegte Referenzzins aber zu niedrig.

Video [aktueller bericht, 02.08.2019, Länge: 3:11 Min.]
Sparkasse kündigt Prämiensparverträge

Und damit noch nicht genug: Jetzt will die Sparkasse auch die hohen Prämien nicht mehr zahlen und hat den Sparvertrag zum 01. November 2019 gekündigt.

Die Bank argumentiert mit der dertzeitigen Zinssituation. Sie stützt sich dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Mai. In einer schriftlichen Stellungnahme teilt sie mit:

Die andauernde Niedrigzinsphase für Kreditinstitute begründet eine besondere wirtschaftliche Ausnahmesituation. Langfristige Prämiensparverträge belasten Sparkassen und Banken in einem besonderen Maße. Dies erkennt auch der BGH an und erlaubt den Sparkassen, dass sie sich auf nachhaltig geänderte Bedingungen des Marktumfeldes durch Lösung von langfristigen Sparverträgen einstellen.

Verbraucherzentrale rät: Vertrag im Einzelnen prüfen

In der Verbraucherzentrale erfährt Friedrich K., dass auch die Verträge anderer Sparer gekündigt wurden. Ob die Kündigungen rechtens sind, hänge vom Einzelfall ab, sagt dazu die Verbraucherzentrale des Saarlandes. Bei Herrn K. sei es so, dass der Vertrag schon sehr lange laufe, er die höchste Prämienstufe schon längere Zeit erreicht habe und dementsprechend lukrativ sei im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Auf den ersten Blick scheine sein Vertrag die Vorraussetzungen des BGH Urteils zu erfüllen und damit kündbar wäre, so die Verbraucherzentrale. Sie empfiehlt jedoch trotzdem, den Vertrag im Einzelnen zu prüfen.

Musterfeststellungsklage in Sachsen

In Sachen "zu niedrig angesetzter Refernzzins" gibt es für Friedrich K. Hoffnung: In Sachsen haben sich Kunden mit dem gleichen Problem an einer Musterfeststellungsklage beteiligt. Je nachdem, wie das Urteil ausfällt, will auch er dann gegen die Sparkasse klagen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 02.08.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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