In einem Sparbuch der Sparkasse sind die Gutschriften der Zinsen notiert. (Foto: Oliver Berg/dpa)

Beliebtes Auslaufmodell

Sarah Sassou / Onlinefassung: Axel Wagner   27.12.2019 | 07:01 Uhr

Ein kleines Büchlein mit großer Bedeutung: das Sparbuch. Viele haben das erste in ihrer Kindheit bekommen und dann später auch ihren Kindern oder Enkeln eins eingerichtet. Und offenbar ist das Sparbuch trotz Niedrigzinsen noch immer hoch im Kurs.

Sparbuch: Beliebtes Auslaufmodell
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 27.12.2019, Länge: 02:23 Min.]
Sparbuch: Beliebtes Auslaufmodell

Die Gründe dafür schwanken zwischen emotional und pragmatisch. Die etwas verklärte Haltung vieler dem Sparbuch gegenüber kennt Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Saar. „Trotz niedriger Zinsen akzeptiert man in dem Moment, dass man real einen Verlust macht.“

Kaum Zinsen

Denn um die Inflation zumindest aufzufangen, bräuchten Sparer auf ihr Vermögen um die 1,5 Prozent Zinsen. Das aber gibt es bei fast keiner Bank mehr. Denn wenn die Banken Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, kostet das mittlerweile. Bei der Bank1 Saar rät man dennoch, einen Teil seines Geldes auf dem Sparkonto oder anderen Anlageformen zu parken, an die man sofort rankommt.

Die emotionale Bindung zu dem kleinen Büchlein kann auch der Vorstandsvorsitzende der Bank 1 Saar, Carlo Segeth, nachvollziehen – zumindest bedingt. „Ich habe selbst noch mein allererstes Sparbuch, und es ist für mich tatsächlich ein Andenken. Das Sparbuch ist allerdings gelocht. Das Konto, das dahinter stand, existiert nicht mehr.“

Jüngere Kunden sind digital ausgerichtet

Das klassische Sparbuch, so Segeth, werde immer mehr durch digitale Varianten ersetzt. Denn die jüngeren Kunden seien digitaler ausgerichtet. Auch bei der Commerzbank stellt man sich mittlerweile auf darauf ein, sagt Marc Baumgärtner von der Niederlassung Saarbrücken. Er verweist auf den Generationswechsel. Die heutigen Kunden, die jetzt auch Kinder kriegen, seien in einem Umfeld der Digitalisierung aufgewachsen. Nur wenige hielten wirklich noch am klassischen Sparbuch fest. Die Angst vor Negativzinsen können beide Bankchefs den meisten Sparern nehmen.

Aber wie legt man sein Geld dann so an, das es nicht an Wert verliert? Damit befassen sich nur wenige Kunden, so Segeth. „Dann kommen beispielsweise auch Produkte wie der gute, alte Bausparvertrag noch einmal zu Ehren, wo in einer gewissen Konstellation noch Habenzinsen gezahlt werden und es sogar eventuell Prämien vom Staat gibt.“

Nichts überstürzen

Im Saarland hat die Bank1Saar etwa 300.000 Kunden und Spareinlagen von rund 800 Millionen Euro. Auch bei der Commerzbank in Saarbrücken haben etwa 151.000 Kunden derzeit etwa 1,1 Milliarden Euro angespart. Die Bankmitarbeiter sprechen die Kunden an und weisen auf andere Anlageformen hin, bei denen es mehr zu verdienen gibt. Aber da sollte man nichts überstürzen, sagt Thomas Beutler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Saarland. Indexfonds seien eine gute Alternative und über einen längeren Anlagezeitraum auch kein großes Risiko.

Und was ist nun mit dem Sparbuch? So schnell wird es wohl nicht vom Finanzmarkt verschwinden. Dafür haben es die Deutschen einfach zu lieb.

Über dieses Thema hat auch SR 3 Guten Morgen vom 27.12.2019 berichtet.

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