Schild 'Sozialer Wohnungsbau?' (Foto: SR)

Bouillons Programm für sozialen Wohnungsbau

Steffani Balle/Christoph Grabenheinrich   16.08.2018 | 15:49 Uhr

Im Saarland gab es im vergangenen Jahr nur gut 800 Sozialwohnungen. Das sind so wenige wie nie zuvor. Die Landesregierung will den sozialen Wohnungsbau nun verstärkt fördern. Am 16. August hat Bauminister Klaus Bouillon das Programm zur Förderung vorgestellt. Es soll schon in wenigen Tag in Kraft treten.

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"Über den Hebel der Barzuschüsse könnte sich tatsächlich was tun"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Dorothee Scharner/Steffani Balle, 16.08.2018, Länge: 02:35 Min.]
"Über den Hebel der Barzuschüsse könnte sich tatsächlich was tun"
Im Studiogespräch gibt SR 3-Reporterin Steffani Balle eine Einschätzung des neuen Förderprogramms.

Bezahlbarer Wohnraum sei eines der drängendsten Probleme der kommenden Jahre, sagt der saarländische Minister Klaus Bouillon. Es bestehe absoluter Handlungsbedarf, die bisherigen Förderprogramme hätten kaum gegriffen. Deshalb soll jetzt mehr Geld in die Hand genommen werden. Insgesamt 52 Millionen Euro stehen für das Programm zur Unterstützung des sozialen Wohnungsbaus bereit. Das ist Fördergeld vom Bund, das Bauminister Bouillon jetzt zielgerichtet einsetzen will.

Für die Modernisierung von Mietwohnungen sind jeweils bis zu 60.000 Euro Fördermittel möglich, 10.000 mehr als bislang. Auch für den Neubau werden die Fördersätze raufgesetzt. Statt bislang 1000 Euro pro Quadratmeter sollen künftig 1750 Euro fließen. Außerdem sollen die Bauherren, die sich über die 15-jährige Sozialbindung hinaus verpflichten, einen erhöhten Tilgungszuschuss von bis zu einem Drittel der Bausumme erhalten.

Aber auch wenn das neue Programm jetzt sehr schnell an den Start geht: "Was wir heute anleiern wird in eineinhalb Jahren frühestens greifen", so Klaus Blouillon.

Förderung nur in Städten mit erhöhtem Bedarf

Allerdings sollen ausschließlich die Städte in den Genuss der höheren Förderung kommen, die einen erhöhten Bedarf an sozialem Wohnungsbau haben, also in erster Linie die Landeshauptstadt Saarbrücken und die Städte Merzig, Dillingen, Saarlouis, Völklingen, Sankt Ingbert, Homburg, Neunkirchen und Sankt Wendel. In diesen Städten gibt es höhere verbilligte Darlehen für den Neubau von Sozialwohnungen.

Sozialwohnung - verzweifelt gesucht

Jobcenter: "Bitte senken Sie Ihre Mietkosten"
Audio [SR 3, (c) SR 3 Steffani Balle, 16.08.2018, Länge: 02:29 Min.]
Jobcenter: "Bitte senken Sie Ihre Mietkosten"

Eine Sozialwohnung darf eine bestimmte Monatsmiete nicht überschreiten. Die Höhe ist von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. In Neunkirchen liegt diese Grenze für einen 4-Personen- Haushalt und 90 Quadratmetern bei 510,44 Euro Kaltmiete im Monat, in Sankt Wendel bei 328 Euro und im Regionalverband Saarbrücken bei 433,80 Euro.

Ob eine Wohnung einen angemessenen Mietpreis hat, legen die Jobcenter fest. Andreas Johann von der Arbeitskammer kennt viele Fälle, in denen Berechtigte verzweifelt eine passende und günstige Wohnung suchen.

Eine junge Frau, wir nennen sie "Jasmin", hat eine Wohnung, die 20 Euro teurer ist als der festgelegte Mietpreis. Die Reaktion des Jobcenters kam prompt: ausziehen oder aus eigener Tasche zahlen. Alternativ könne sie auch die Mietkosten senken, d.h. auf den Vermieter einwirken, dass er die monatliche Miete reduziert. Noch darf Jasmin in der Wohnung bleiben. Die 20 Euro, die sie aus eigener Tasche bezahlen muss, fehlen ihr aber an anderer Stelle.

Über diess Thema wurde auch in "Guten Morgen" und in der "Region am Nachmittag" am 16.08.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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