Schild: „Zentrale Ausländerbehörde Landesaufnahmestelle“ (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Somalier fürchtet Entzug der Arbeitserlaubnis

Lisa Krauser / Onlinefassung: Axel Wagner   01.04.2022 | 13:07 Uhr

Viele Mitarbeiter, etwa in Pflegeheimen und Krankenhäusern kommen täglich an ihre Belastungsgrenze – auch vor der Corona-Pandemie schon. Umso besser, wenn Menschen, die aus dem Ausland kommen, sagen: Ich gehe hier in die Pflege. Ein junger Flüchtling aus Somalia möchte genau das. Er arbeitet als Pflegehelfer in einem Saarbrücker Krankenhaus und will das auch weiter tun. Doch ihm droht der Entzug der Arbeitserlaubnis.

„Ich freue mich über das, was ich hier habe, und ich bin dankbar, dass ich hier bin. Wirklich.“ Ali sitzt auf einer Bank am Saarbrücker Staden und lächelt, als er von seinem Leben im Saarland erzählt. Der 22-jährige Somalier heißt eigentlich anders, aber seinen echten Namen will er lieber nicht sagen.

„Ich versuche, immer ein guter Mensch zu sein“

Ali arbeitet als Pflegehelfer in einem Saarbrücker Krankenhaus. „Ich versuche wirklich, immer ein guter Mensch zu sein – deshalb dieser Beruf, wo ich Menschen helfen kann. Ich mag es, sozial zu arbeiten.“

Somalier fürchtet Entzug der Arbeitserlaubnis
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 01.04.2022, Länge: 01:00 Min.]
Somalier fürchtet Entzug der Arbeitserlaubnis

Er wisse, wie wichtig es ist, anderen zu helfen, sagt Ali. Leid und Elend kennt er aus seinem Heimatland, dem ostafrikanischen Somalia, nur zu gut. „Du weißt nicht, wenn Du heute rausgehst, ob Du lebend zurückkommst. Bomben, Bürgerkrieg, alles gibt es dort.“

Um sich ein Leben in Sicherheit aufbauen zu können, ist Ali schon als Jugendlicher aus Somalia geflüchtet – über Äthiopien, Sudan, Libyen und das Mittelmeer nach Europa. Minderjährig und unbegleitet kam er 2016 im Saarland an, machte erst den Hauptschulabschluss und danach die Ausbildung zum Krankenpflegehelfer.

Er will kein Geld vom Staat

„Normalerweise arbeite ich jetzt, verdiene mein Geld und bezahle alles, meine Wohnung, selbstständig. Aber wenn ich nicht arbeiten darf, bekomme ich vom Staat Geld. Das ist für niemanden gut.“

Ali will kein Geld vom Staat, aber er befürchtet, dass es bald so kommen könnte. Denn Mitte März hat er einen Brief von der Ausländerbehörde bekommen. Darin steht, dass er bis Ende April einen Nachweis über seine Identität vorlegen muss. Sonst ist er zwar weiter geduldet, aber nicht mehr zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit berechtigt.

Botschaft reagiert nicht auf Anfragen

Das Problem: Ali hat keinen Pass. Und einen bei der somalischen Botschaft in Berlin zu bekommen sei schwierig. „Da geht keiner ran ans Telefon. Auf E-Mail gibt’s auch keine Antworten.“

Solche Probleme kennt Peter Nobert vom Saarländischen Flüchtlingsrat. „Das ist oft die Erfahrung mit Botschaften, dass die auf Anfragen nicht reagierten, dass man die telefonisch nicht erreicht, dass die oft auch auf E-Mails oder Schreiben nicht reagieren. Mit den Botschaften von Sudan, Eritrea und Äthiopien gibt’s ähnliche Erfahrungen.“

Flüchtlingsrat kritisiert hohe Hürden

Das wisse auch die Ausländerbehörde, so Nobert. Trotzdem würden Flüchtlingen immer wieder die Arbeitserlaubnis entzogen, auch wenn sie alles in ihrer Macht Stehende getan hätten, um einen Pass zu bekommen, kritisiert er.

Die Anforderungen an die Mitwirkungspflicht sind seiner Ansicht nach zu hoch. „Wir haben deswegen auch schon gerichtliche Verfahren durchführen müssen, die aber lange dauern und wo es dann immer im Einzelfall darauf ankommt, ob die Betroffenen genug gemacht haben, um an ihre Papiere zu kommen.“

Vielen droht Perspektivlosigkeit

Die Geflüchteten sind solange zur Untätigkeit verdammt – und, so Nobert, „in Perspektivlosigkeit, weil sie keine Möglichkeit haben ihren Aufenthalt so zu sichern, dass sie sich hier eine Existenz aufbauen dürfen“.

Für Ali wäre es ein Alptraum, auf das Jobcenter angewiesen zu sein. Er hofft jetzt unter anderem auf ein neues Chancen-Aufenthaltsrecht, das die Ampel-Koalition plant. Damit will die Bundesregierung Menschen, die nur geduldet, aber gut integriert sind, neue Bleibeperspektiven geben. „Das ist meine große Hoffnung“, sagt Ali. Ob und wann das Gesetz kommt, ist aber noch unklar.

Nobert setzt auf SPD-Führung

Peter Nobert vom Flüchtlingsrat setzt außerdem auf eine Ausländerbehörde, die nicht mehr CDU-geführt ist. Von der SPD erhofft er sich ein Innenministerium, „das etwas empathischer gegenüber den Betroffenen agiert“.

Ali muss jetzt wohl auf gut Glück zur somalischen Botschaft nach Berlin fahren und alles versuchen, um irgendwie an Papiere zu kommen. „Ich muss. Bis ich was bekomme, versuche ich alles.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 01.04.2022 berichtet.

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