"Geschlossen" steht auf dem Schild eines Geschäftes (Foto: dpa/Daniel Karmann)

Wo bleibt die Soforthilfe?

Sarah Sassou/Patrick Wiermer   17.04.2020 | 16:15 Uhr

Seit über einem Monat haben viele Unternehmer kein Einkommen mehr oder so wenig, dass es nicht der Rede wert ist. Die Kosten laufen aber weiter. Die Landesregierung versprach schnelle und unbürokratische Hilfe und hat ein Zuschussprogramm für Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige ins Leben gerufen. Die Folge: eine Flut von Anträgen.

Audio

Kleinunternehmer warten auf Soforthilfe
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 17.04.2020, Länge: 03:04 Min.]
Kleinunternehmer warten auf Soforthilfe
Die Landesregerung hatte im Zuge der Corona-Krise ein Zuschussprogramm für Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige ins Leben gerufen sowie schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen. Bis vor Ostern waren den Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits 10.000 Anträge eingegangen, ein Teil davon sei bereits bewilligt und das Geld bei den Empfängern. Nach mehr als zwei Wochen warten allerdings einige Unternehmer immer noch, wie SR-Reporterin Sarah Sassou berichtet.

Bis vor Ostern waren nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits 10.000 Anträge eingegangen, ein Teil davon sei bereits bewilligt und das Geld bei den Empfängern. Aber jetzt, nach mehr als zwei Wochen später, warten immer noch Kleinunternehmer und Soloselbständige auf die finanzielle Unterstützung.

Noch rund 500 Anträge für das Landesprogramm aus der ersten Antragswoche seien unbearbeitet, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Hier warteten die Bearbeiter noch auf Nachreichungen der Antragsteller. Allerdings warten wohl noch deutlich mehr auf ihr Geld. Das Wirtschaftsministerium führt die Verzögerungen bei der Überweisung auch auf die Dauer der Erstellung des Bescheides, der Zahlungsanweisung und den Postlauf zurück.

Zwei Fallbeispiele

Katharina Krenkel ist bildende Künstlerin, so wie auch ihr Mann. Die beiden leben und arbeiten in Köllerbach. Für Mai war eigentlich eine Ausstellung geplant. Sie musste abgesagt werden und damit fällt für die Künstlerin eine mögliche Einnahmequelle weg. Das Zuschussprogramm des Landes für Soloselbstständige und Kleinunternehmer könnte ihr und ihrem Mann helfen. Zwischen 3.000 und 10.000 Euro gibt es für Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern. Anfang April haben die beiden den Antrag dafür ausgefüllt und abgeschickt. In der Osterwoche sollte das Geld da sein. Diese Auskunft haben viele Antragsteller bekommen. Aber bei Katharina Krenkel und einigen anderen ist immer noch kein Geld eingegangen.

Auch Friseurmeister Christian Greif wartet noch auf den Zuschuss. Seine Mitarbeiterinnen sind in Kurzarbeit, der Chef stockt ihr Gehalt auf. Anfang Mai darf er zwar wieder öffnen, aber auch für das geforderte Hygienekonzept fallen zusätzliche Kosten an, denn durch die Abstandsregeln kann er nur halb so viele Kunden bedienen wie normal. Er bräuchte das Geld für die Überbrückung.

60 Mitarbeiter und zigtausend Anträge

Bis wann die Anträge alle abgearbeitet sein werden, darüber gibt das Wirtschaftsministerium keine Auskunft. Man sei auf der Zielgeraden, heißt es. Und dass man das Budget von rund 30 Millionen Euro für das Zuschussprogramm überschreiten werde. Rund 60 Mitarbeiter sind den Angaben zufolge mit der Prüfung der Anträge befasst. Dass es doch länger dauert als gedacht, dafür hat Friseurmeister Christian Greif schon Verständnis. Aber nicht dafür, dass die Bewilligung für ihn nicht transparent ist. Er kenne viele, die schon Geld erhalten hätten, obwohl sie nach ihm den Antrag gestellt hätten.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 17.04.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja