Das Ford Werk in Valencia, Venezuela (Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Bangen bei Ford-Beschäftigten in València

mit Informationen von Patrick Wiermer   27.01.2022 | 16:20 Uhr

Die Fordwerke in Saarlouis und València befinden sich zurzeit in einem Wettkampf, bei dem es eigentlich nur Verlierer geben kann. Bis 27. Januar müssen beide Standorte Zukunftskonzepte vorlegen. Das heißt wahrscheinlich auch: harte Einschnitte für die Beschäftigten und im schlimmsten Fall sogar die Schließung eines der beiden Werke. Nicht nur in Saarlouis, auch in València geht die Angst um.

Seit Tagen schon ist das Bieterverfahren zwischen den Fordwerken in Saarlouis und in Almussafes das Hauptthema der Nachrichtensendungen auf À Punt, dem dortigen öffentlich-rechtlichen Sender.

Sorgen um Arbeitsplätze und Löhne

Bangen auch bei Ford-Beschäftigten in València
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 27.01.2022, Länge: 02:43 Min.]
Bangen auch bei Ford-Beschäftigten in València

Seit Tagen herrscht Hoffen und Bangen bei den Arbeitern des Ford-Werks in der spanischen Provinz Valencia. "Die Unsicherheit, die Nervosität. Du kommst zur Arbeit und weißt nicht, was da noch passiert", so ein Mitarbeiter. "Keine Ahnung, ob es um den Wettbewerb geht und ob wir nur benutzt werden, um unsere Tarifrechte zu verlieren. Sie wollen unsere Löhne drücken und dass wir mehr arbeiten", sagt er.

Die Situation in Almussafes ähnelt der in Saarlouis. Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, Zehntausende in den von der Autoindustrie abhängigen Branchen. Auch in València ließ man sich bei den Verhandlungen um das Zukunftskonzept, das am 27. Januar der Konzernspitze vorgelegt werden muss, nicht so recht in Karten schauen.

Lohnvorteile für València

Doch es gibt auch Unterschiede, vor allem etwa bei der Bezahlung. Ein spanischer Bandarbeiter verdient zwischen 22.000 und 36.000 Euro brutto pro Jahr. Die Löhne in Saarlouis liegen etwa ein Drittel höher.

Genau da will offenbar die größte Gewerkschaft UGT in den Verhandlungen ansetzen, so der Betriebsrat José Luis Parra: Man sei bereit, "die Löhne einzufrieren, wenn sie später dann der Inflation angeglichen werden." Außerdem wolle man über Flexibilisierungen ab 2025 sprechen und das Homeoffice sowie Anpassungen der Arbeitszeit und die flexible Vergütung voranbringen.

Harte Einschnitte befürchtet

Für die Ford-Arbeiter wäre es ein großer Verzicht, denn auch in Valencia steigen die Lebenshaltungskosten. Vor allem der Strompreis ist in den letzten Wochen buchstäblich explodiert. Und nicht zuletzt: Eine Schließung hätte tiefgreifende wirtschaftliche Konsequenzen für die Region, die immer noch die heftigen Folgen der Finanzkrise im Jahr 2008 zu schultern hat.

Wirtschaftsfaktor Autoindustrie

Die Autoindustrie in Valencia sorgt aktuell für rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 18 Prozent der Exporte. Ford sei eines der wesentlichen Zugpferde der Region, sagt daher auch der Ministerpräsident der Region Valencia, Ximo Puig, bei einer Presskonferenz an diesem 27. Januar: "Ich sage es ganz deutlich: Wir haben und wir werden alles Mögliche tun, dass Ford in der Region bleibt. Der Standort in Almussafes ist der Produktivste in ganz Europa. Ich hoffe, dass diese wirtschaftliche Faktoren in der Entscheidung beachtet werden– und es nicht an anderen Dingen hängt." 

Doch auch an diesem Schicksalstag bleibt die Zukunft unklar. In Almussafes wie in Saarlouis.


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 27.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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