Der Saarbrücker Fleischverarbeitungsbetrieb Schwamm (Foto: SR/Karin Mayer)

Fleischbranche ohne Werkverträge

Karin Mayer   20.05.2021 | 12:57 Uhr

Das Arbeitsschutzkontrollgesetz wirkt: Vor einem Jahr hat Bundesarbeitsminister Heil es vorgeschlagen. Seit Januar sind Werkverträge in der Fleischindustrie verboten. Die Unternehmen im Saarland haben darauf reagiert. Die Gewerkschaft NGG sieht aber weiteren Verbesserungsbedarf.

Die Saarbrücker Metzgerei Schwamm setzt nicht mehr auf Werkverträge. Stattdessen haben das Unternehmen und die Tochter Bard Beschäftigte aus Osteuropa selbst eingestellt. Werkverträge oder Leiharbeit gebe es nicht mehr, teilt Schwamm schriftlich mit.

Video [aktueller bericht, 20.05.2021, Länge: 3:41 Min.]
Strengerer Arbeitsschutz für die Fleischindustrie

Kaum Änderungen an der Situation

Wie greift das Verbot von Werksverträgen in der Fleischindustrie?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 20.05.2021, Länge: 03:09 Min.]
Wie greift das Verbot von Werksverträgen in der Fleischindustrie?
Was sich bei den Herstellern im Saarland verändert hat.

An der Situation der Beschäftigten hat sich allerdings wenig verändert. Sie werden weiterhin über einen Dienstleister vermittelt und wohnen in Gemeinschaftsunterkünften. Das bestätigt der Personaldienstleister Christian Daems. Er betont, dass nur ein höherer Mindestlohn helfen könne.

Die Gewerkschaft NGG setzt dagegen auf Tarifverhandlungen mit der Fleischbranche. Sie fordert einen Stundenlohn von 12,50 Euro, der auf 14 Euro steigen soll. Mark Baumeister von der NGG sagte dem SR, es sei eine Wende erkennbar. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Fleischbranche steige, das sei ein Zeichen, dass ehemalige Werkvertragsmitarbeiter festangestellt werden.

Bundesweit arbeiten rund 160.000 Menschen in der Fleischindustrie. Davon waren bis letztes Jahr nur 4500 festangestellt. Inzwischen sind es nach NGG-Schätzungen rund 20.000.

Leiharbeit nur noch mit Tarifvertrag

Neben einer Festanstellung haben die Betriebe auch die Möglichkeit, aktuellen Personalbedarf über Leiharbeit zu decken. Seit April 2021 ist Leiharbeit in der Fleischindustrie aber nur noch für Unternehmen mit Tarifvertrag erlaubt. Die Folge: Das Interesse der Arbeitgeber steigt, einen Branchentarif abzuschließen. Drei Verhandlungsrunden gab es bisher für einen solchen Tarifvertrag - bisher jedoch noch ohne Ergebnis.

Noch nicht alles gut

Mark Baumeister vermutet, dass aktuell osteuropäische Mitarbeiter nun teilweise befristet eingestellt werden. "Und die Einkommen sind nach wie vor viel zu gering, um davon ein eigenständiges, wirtschaftliches Leben in Deutschland aufbauen zu können."

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 20.05.20201

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