Baustelle des neuen Apple Campus in Cupertino im Silicon Valley  (Foto: dpa / picture alliance / Duncan Sinfield)

Ist das die Zukunft?

Stippvisite im Silicon Valley

Barbara Spitzer   11.12.2018 | 16:55 Uhr

Vom Industrieland zum Silicon Valley Deutschlands kurz „Saar Valley“ – das ist eine Vision, die von der Landesregierung und Industrie immer mal wieder vollmundig als Zukunftsstrategie ausgegeben wird. Doch dahin ist es noch ein weiter Weg: Die IT-Start-up Szene im Saarland ist mit gerade mal 30 Neugründungen pro Jahr noch mehr als überschaubar, von Giganten wie Facebook und Google, die alle im echten Silicon Valley sitzen, ganz zu schweigen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden...

SR-Korrespondentin Barbara Spitzer hat dem kalifornisches Vorbild einen Besuch abgestattet, um sich fit für die Zukunft zu machen. Ihr - völlig subjektiven - ersten Eindrücke aus dem Tal der Tekkies.

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Stippvisite im Silicon Valley
Audio [SR 3, Barbara Spitzer, 11.12.2018, Länge: 02:58 Min.]
Stippvisite im Silicon Valley

Auch im Valley wird gestaut

Die gute Nachricht zuerst: Es laufen keine Zombies, Klone oder Roboter hier rum, sondern tatsächlich Menschen aus Fleisch und Blut. Wobei laufen wiederum relativ ist, denn es wird naturgemäß sehr, sehr viel gefahren, beziehungweise im Stau gestanden. Letzteres ist ein Dauerärgernis hier, das man aber auch positiv sehen kann: So lange es hier im Mekka der IT-Branche dauerverstopfte Highways gibt, hapert es wohl noch mit der superschlauen Künstlichen Intelligenz und ihrer  angeblich kurz bevorstehenden Machtübernahme.

Mehr SUVs als selbstfahrende Autos

Die zweite beruhigende Nachricht: In fünf Tagen habe ich nur eine Handvoll selbstfahrende Auto gesehen. Allerdings sind die für Valley-Neulinge wie mich nur schwer zu erkennen. Denn die kleine schwarze Kamera auf dem Autodach sticht nicht unbedingt sofort ins Auge. Mein Blick in die Zukunft mag auch an dieser Stelle also noch etwas getrübt sein. 

Wesentlich auffälliger in einem Staat wie Kalifornien, in dem vom Supermarkt bis zur Fast-Food-Bar praktisch alles bio ist:  Auch im Silicon Valley sind jede Menge SUVs auf den Straßen. Offenbar ist auch die digitale Avantgarde, die selbstredend alle Probleme der Menschheit lösen will, anfällig für klimaschädliche Statussymbole. Das spricht für ihre Menschlichkeit, aber auch dafür, dass die Rettung des Planeten nicht unbedingt zum Greifen nahe ist.

Laptop statt Kollegenplausch

Mann mit Laptop (Foto: pixabay (CC0))

Daneben gibt es  im Zukunftslabor Silicon Valley auch ein paar Phänomene, die auf Bewohner der alten Welt wie mich tatsächlich creepy wirken.

Zum Beispiel unterhalten sich Menschen in der Mittagspause – egal ob im Café oder in der Salatbar – nur sehr, sehr selten mit echten anderen Menschen. Die meisten sitzen mit ihrem Laptop oder ihrem Smartphone am Tisch und sprechen oder tippen in ihre Geräte, ohne sich irgendwie einsam zu fühlen. Und wenn doch mal zwei Menschen zusammen essen gehen, sitzen sie sich zwar gegenüber, reden aber nicht miteinander, sondern ebenfalls mit ihren Laptops, die offenbar wichtigere Infos zu bieten haben als das analoge Gegenüber.

Statussymbol Dienstausweis

Dabei tragen fast alle Silicon-Valley-Bewohner wo sie gehen und stehen ihren Dienstausweis. Deutlich sichtbar baumelt er mit Konterfei irgendwo an der Körpermitte.  Das wird allerdings nicht als Zeichen weltabgewandter Zerstreutheit bedauernswerter Nerds gesehen, sondern genau wie der SUV als Statussymbol. Philosophisch betrachtet könnte das Essengehen mit Dienstausweis auch als Versuch der Selbstvergewisserung im digitalen Strom durchgehen.

Take away ist hip

A propos Essen: Einfach nur reingehen, Speisekarte gucken und dann bestellen ist im Tekkie-Land auch nicht mehr state of the art. In den meisten Fast-Food-Bars stehen Styropor-Schachteln mit der online vorbestellten Salad-Bowl oder dem Bio-chicken-Curry fertig zur Abholung bereit. Das erspart lästige Wartezeit und womöglich lästigen Small-Talk.

Fazit

Hier wird eben immer und überall optimiert, um keine Zeit zu verlieren, Zeit, die hier alle dringend brauchen, um an der digitalen Zukunft zu basteln. Weil damit aber so viele gleichzeitig beschäftigt sind, geht die eingesparte Zeit Stunden später wieder flöten – im Dauerstau auf dem Heimweg. Die analoge Welt – noch lässt sie sich auch im Silicon Valley nicht völlig ausschalten.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 10.12.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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