Busse der Saarbahn (Foto: Saarbahn/Pressefoto)

Saarbahn tauscht Erdgasbusse gegen Diesel aus

Mit Informationen von Gerd Heger   28.08.2019 | 13:47 Uhr

Nicht umweltfreundlich genug, zu teuer und anfällig für Störungen: Die Saarbahn will nach SR-Recherchen ihre Erdgasbusse abschaffen. Dabei war man diesbezüglich mal ein umweltbewusstes Vorzeigeunternehmen. 2006 gab es sogar eine Auszeichnung vom ADAC. Jetzt soll aber Schluss sein.

Nur noch 19 von ursprünglich 89 Erdgasbussen sind im Einsatz. Diese sollen nach und nach durch Dieselbusse ersetzt werden. Die Technologie habe sich in den letzten zehn Jahren massiv verändert, erläutert Professor Thomas Heinze, Spezialist für Verbrennungsmotoren an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw saar). „Wir haben derzeit in den Euro 6-Bussen die neue Abgasreinigungstechnologie mit Partikelfiltern und SCR-System zur Verfügung.“  Dadurch seien keine richtigen Umweltnachteile gegenüber Erdgasbussen darstellbar.

Technik muss funktionieren

Saarbahn will Erdgasbusse durch Diesel ersetzen
Audio [SR 3, Gerd Heger, 28.08.2019, Länge: 03:59 Min.]
Saarbahn will Erdgasbusse durch Diesel ersetzen

Es müsse sichergestellt sein, so Heinze, dass diese Abgasreinigungstechnik funktioniert. „Das ist grundsätzlich möglich. Da sind Onboard-Diagnoseverfahren in den Fahrzeugen, die das überwachen können.“ Auch die Werkstätten, die die Wartung der Busse übernehmen, könnten die Werte überprüfen. Das SCR-Verfahren (SCR: Selektive katalytische Reduktion) etwa brauche ein Reduktionsmittel, von dem pro Kilometer eine bestimmte Menge verbraucht sein muss. „Wenn das nicht der Fall ist, kann die Abgasreinigung nicht funktionieren.“

Ein weiteres Argument für die Saarbahn ist die besondere Störanfälligkeit der Erdgasbusse. Heinze verweist hier darauf, dass man für Erdgasbusse eine ganz andere Infrastruktur vorhalten müsse als für Dieselbusse. Wenn Erdgasbusse nicht richtig gewartet seien, könne der CO2-Ausstoß unter Umständen sogar höher sein als bei Dieselbussen. Denn ein Erdgasbus müsse mit einem festen Gemischzustand laufen. Wird dieser nicht eingehalten, kann es zu Nachteilen kommen.

Reine Elektrobusse keine Option

Den immer wieder ins Spiel gebrachten Wechsel auf Elektromobilität bei Bussen sieht Heinze skeptisch. „Der Strom muss definitiv irgendwo herkommen. Und gerade im Stadtbereich, wo die Busse viel anfahren und beschleunigen müssen, wird viel Strom gebraucht.“ Die Folge: Schwere Batterien müssten eingebaut werden. „Elektromobilität ist definitiv von zwei Seiten zu betrachten.“ Teils, so Heinze, könnten Busse stundenweise nicht fahren, weil sie nachgeladen werden müssen.

Positiver sieht Heinze den Einsatz von Hybridtechnologie, also eine Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor als Brückentechnologie. So könnte zum Beispiel die Energie, die beim Bremsen des Busses entsteht, in die Batterien eingespeist werden. Daher könnten die Batterien deutlich kleiner gehalten sein, bei gleichzeitig deutlich weniger CO2-Ausstoß der Fahrzeuge.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 „Region am Mittag“ vom 28.08.2019 berichtet.

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