Natalia Meleva aus dem Russlandhaus (Foto: SR /Steffani Balle)

Reaktion einer Russin im Saarland auf Putins Teilmobilmachung

Steffani Balle / Onlinefassung: Jil Kalmes   21.09.2022 | 12:13 Uhr

Die verkündete Teilmobilmachung in Russland erschreckt viele Russen und Russinnen: Was bedeutet das für den weiteren Verlauf des Krieges gegen die Ukraine? Wird jetzt alles nur noch schlimmer? Und vor allem: Was macht das mit russischen Familien, die im Ausland, zum Beispiel hier im Saarland, leben? SR-Reporterin Steffani Balle hat die Vereinsvorsitzende des Russland-Hauses in Saarbrücken getroffen und nachgefragt.

Natalia Meleva, Vorsitzende des Vereins Russisches Haus Saar, erschreckt die Teilmobilmachung Putins nicht – im Gegenteil, sie hat diesen Schritt erwartet. Putin habe den Krieg bereits verloren. Alle sagen das und alle wissen das. Die Teilmobilmachung sei seine letzte Hoffnung, sagt sie.

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Natalia Meleva zu Putins Teilmobilmachung
Audio [SR 3, Steffani Balle, 21.09.2022, Länge: 02:38 Min.]
Natalia Meleva zu Putins Teilmobilmachung

Hoffnung auf Umdenken bei Putin-Fans

Für Natalia Meleva werde die Teilmobilmachung den Putin-Befürwortern die Augen öffnen. "Wenn sie auf dem Sofa sitzen und Fernsehen gucken, sind sie für den Krieg. Aber wenn die Mobilisierung kommt, werden sie auf die Straßen gehen", sagt die Vorsitzende. Wenn es um die eigene Familie gehe, würde keiner Krieg wollen.

Krieg und Familien: Streit und tiefe Risse

Der Krieg habe tiefe Risse in Familien gerissen, auch in Natalias. Ihre Cousine aus Bielefeld will nichts mehr mit ihr zu tun haben, ihre Brüder sind Putin-Fans und auch ihr Mann befürwortet die Aktionen des russischen Staatsoberhauptes.

Dass ihr eigener Mann hinter Putin stehe, sei eine schreckliche Situation, erzählt sie unter Tränen. Sie lebe schon 41 Jahre mit ihrem Mann zusammen, doch im Moment gehe man sich aus dem Weg – mit drei Zimmern und zwei Computern.

Eine Chance, Familien wieder zusammenzubringen

Für sie bedeutet die Teilmobilmachung, dass der Krieg bald vorbei ist. Es sei Putins letzter Versuch. Natalia Meleva vergleicht es mit Hitler, der 1945 ein letztes Mal aus seinem Bunker hinaus versuchen wollte, den Krieg zu gewinnen. Auch Putin wird in ihren Augen scheitern. Das Ende des Krieges könne viele Familien wieder zusammenführen und entstandene Risse glätten. Das hofft sie zumindest.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 21.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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