Gäste auf der Terrasse einer Bar (Foto: Sebastien Courdji/XinHua/dpa)

Restaurants müssen Gästelisten schreddern

Patrick Wiermer / Onlinefassung: Axel Wagner   18.06.2020 | 18:26 Uhr

Die Corona-Maßnahmen sind auch für die Gastronomie eine große Herausforderung – zweifelsohne. Beispiel: Bei jedem Restaurantbesuch müssen die Gäste eine Kontakliste ausfüllen. Heute läuft die Aufbewahrungsfrist für diese Listen ab. Die ersten Betriebe müssen die Listen nun schreddern.

Ein Monat geöffnete Gastronomie: Start der Listenschredderei
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 18.06.2020, Länge: 03:06 Min.]
Ein Monat geöffnete Gastronomie: Start der Listenschredderei

Großer Hunger, große Pizzen – aber vorher: Liste ausfüllen. Das gilt auch im Little Italy in Saarlouis. „Also an sich ist es Fluch und Segen“, sagt Michael Doege, Geschäftsführer der Pizzeria. Der Aufwand sei extrem, außerdem sei es auch eine Kostenfrage. „Auf der anderen Seite finde ich es gut, weil man, wenn wirklich jemand infiziert sein sollte, nachvollziehen kann, wer hier war und welches Personal da war.“

Pro Woche Hunderte Seiten Papier

Und jetzt steht auch noch das große Schreddern an. In einem Schrank unter der Kasse bewahrt Doege mehrere Ordner mit Gästelisten – pro Woche Hunderte Seiten Papier. Das Little Italy öffnete am 1. Juni, ab 1. Juli wandern die Gästeformulare in den Papierkorb. Andere Betrieb sind da schon früher dran.

„Menschlich ist es auf jeden Fall nachzuvollziehen, dass die ganzen Beschränkungen und Auflagen, die jetzt in der Zeit einfach eingefordert werden, irgendwo auch ins Tagesgeschäft mit reinwirken“, sagt dazu Sascha Schmidt, Sprecher der Stadt Saarlouis. Er verweist jedoch auf die rechtliche Notwendigkeit. Dort seien persönliche Daten verarbeitet. Für diese gelte der Datenschutz, der sei ein hohes Gut. Deshalb sei das Schreddern einfach notwendig.

Fast täglich Kontrollen

Auch für die Stadtverwaltung, vor allem für das Ordnungsamt, ist die Umsetzung und die Kontrolle der Landesverordnung zum Schutz vor der Corona-Pandemie eine große Herausforderung. „Es ist so, dass wir eigentlich fast täglich Kontrollen machen“, sagt Schmidt. Die Kontrollen würden unter anderem gemeinsam mit der Polizei und dem Gesundheitsamt durchgeführt.

Geschäftsführer Michael Doege sagt, er in Saarlouis sei bislang nicht kontrolliert worden, wohl aber die Filiale in Köllerbach. Dort sei alles genau untersucht worden.

Viele Gäste einsichtig

Nicht so genau nahmen es aber offenbar einige Gäste. Sie trugen sich entweder gar nicht ein – oder mit Fantasienamen wie „James Bond“. Das kann Doege nicht verstehen.  Man betrüge sich am Ende selbst. „Jeder gibt seine Daten im Internet preis. Warum ist man nicht so ehrlich und schreibt es hier hin?“

99 Prozent der Gäste hätten aber ein Einsehen. Auch das Ordnungsamt zieht insgesamt eine positive Bilanz. Es gab vereinzelte Verstöße.  Vor allem die Mund-Nasen-Bedeckungen sind laut Stadtsprecher Sascha Schmidt ein großes Problem. Auch dass nicht alle Gäste über die Listen erfasst wurden, sei bei Kontrollen festgestellt worden.

Drei Kneipen geschlossen

In Einzelfällen habe man Gastronomiebetriebe schließen müssen, so Schmidt. Dabei handelt es sich um drei Kneipen in der Saarlouis Altstadt, die mittlerweile wieder offen sind. Im Little Italy lief der Betrieb ohne Unterbrechung – wenn auch mit weniger Kundschaft.

Ab 1. Juli braucht Pizzabäcker Michael Doege neben seiner Pizzaschaufel allerdings auch ein anderes Werkzeug: einen Schredder. „Was jetzt noch an Arbeit auf uns zukommt, wissen wir nicht. Wir hoffen, es wird nicht mehr.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 18.06.2020 berichtet.

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