Homeoffice Symbolbild (Foto: pixabay)

Brauchen wir einen Rechtsanspruch auf Homeoffice?

Karin Mayer   06.10.2020 | 07:33 Uhr

Morgens ins Auto steigen und zur Arbeit fahren. Das ist Routine, für fast alle. Was aber, wenn das gar nicht mehr nötig ist, wenn man einfach zuhause bleibt und sich dort an den Schreibtisch setzt? In vielen Branchen und Berufen ist das technisch machbar. Jetzt soll der Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten kommen. Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion hat dazu die wichtigsten Fragen beantwortet.

Wie reagieren Unternehmen und Arbeitgeber im Saarland auf den Rechtsanspruch auf Homeoffice?

Viele sind längst bei der Umsetzung, beispielsweise will die IHK ihren Mitarbeitern zwei Tage mobiles Arbeiten pro Woche ermöglichen. Das soll in einer Betriebsvereinbarung geregelt werden. In der IT-Branche war mobiles Arbeiten schon lange möglich. In Zeiten von Corona wurde teilweise über Monate zuhause gearbeitet. Rosemarie Clarner, Geschäftsführerin der Scheer Holding berichtet, dass ein Drittel der Beschäftigten von zuhause aus arbeitet: "Wir in unserer Branche, wir brauchen das wirklich nicht mehr. Insofern wären solche Regelungen für uns garnicht mehr relevant. Wir bieten Möglichkeiten, die über das hinaus gehen, was jetzt zur Debatte steht."

Gleichzeitig muss man sagen: auch wenn der Rechtsanspruch kommt, gilt er nicht für alle, sondern nur in den Bereichen, in denen mobil gearbeitet werden kann. In der Industrieproduktion, im Handwerk, in der Pflege, in der Kinderbetreuung, in der Gastronomie, am Bau – überall dort werden die Beschäftigten vor Ort gebraucht.

Rechtsanspruch auf Homeoffice
[SR 3, Karin Mayer, 06.10.2020, Länge: 04:00 Min.]
Rechtsanspruch auf Homeoffice

Die Gewerkschaften sind auch nicht ganz zufrieden mit dem Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten. Warum?

Bundesarbeitsminister Heil will eine Untergrenze festlegen. Für die Gewerkschaften geht es auch um die Frage, ob der Arbeitgeber dem Beschäftigten zuhause einen Arbeitsplatz einrichten muss. Der Arbeitgeber müsste also einen Schreibtischstuhl, einen Schreibtisch, einen Bildschirm stellen, und dabei noch darauf achten, dass die Lichtverhältnisse stimmen, usw.

Martin Schlechter von der Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände lehnt das ab: "Vom von einem Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie ihn unser Arbeitsminister vorschlägt, halte ich gar nichts. Homeoffice ist ein Instrument, dass in Unternehmen gut funktioniert, aber es funktioniert nicht für alle gleichermaßen gut. Ein Instrument, das auf betrieblicher Ebene inividuell angepasst werden muss, das als Vorschrift für alle zu machen, halte ich für den flaschen Weg und eine schlechte Idee."

Mobiles Arbeiten heißt auch, dass die Beschäftigten zuhause am Küchentisch sitzen: Orthopäden-Vereinigungen berichten schon von deutlich mehr Rückenproblemen durch Homeoffice.

Wenn mobiles Arbeiten wichtiger wird, könnten Unternehmen auch auf die Idee kommen, Büroflächen einzusparen...

Saarland
Diskussion über Rechtsanspruch auf Homeoffice
In Zeiten von Corona haben viele von zuhause aus gearbeitet, um Ansteckungen zu vermeiden. Damit bekommt ein Projekt von Bundesarbeitsminister Heil Rückenwind, das er schon länger angekündigt hat: ein Rechtsanspruch auf Homeoffice. 24 Tage im Jahr sollen Beschäftigte künftig von zuhause aus arbeiten können, so sein Plan. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus - auch im Saarland.

Unternehmen reduzieren dadurch ihre Mietkosten. Immobilienverbände erwarten bereits, dass sich die Mietmärkte in den Innenstädten dadurch entspannen, weil weniger Büroflächen gebraucht werden.

Seit Corona arbeiten viele zeitweise zuhause. Warum kommt der Rechtsanspruch jetzt?

Es steht im Koalitionsvertrag. Bundesarbeitsminister Heil ist nun angetreten, um den Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten umzusetzen. Für Arbeitnehmer bedeutet das mehr Freiheiten und weniger Fahrten zum Arbeitsplatz. Der Rechtsanspruch soll kommen, weil Unternehmen der Idee lange skeptisch gegenüberstanden. In Zeiten von Corona hat sich das grundlegend geändert. Ganze Firmenstandorte wurden zeitweise ins Homeoffice verlagert, damit die Mitarbeiter gesund bleiben. 

Auch Bereiche, in denen das bisher unmöglich schien, wurden so aufrecht erhalten: Verwaltung, Kammern, Callcenter, die IT-Branche, oder Versicherungen. Entweder existierten die technischen Voraussetzungen bereits oder sie wurden in Windeseile geschaffen. Die Forderung von Bundesarbeitsminister Heil nach dem Rechtsanspruch auf Homeoffice wirkt plötzlich also ein bisschen aus der Zeit gefallen.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 06.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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