Zugewucherte Gleise der Hochwaldbahn (Foto: SR)

Reaktivierung alter Bahnstrecken - wie sinnvoll wäre das?

Stephan Deppen   31.08.2018 | 16:50 Uhr

Ob Grüne, Linke oder Verkehrsclub Deutschland: Die Kritik an der Bahnpolitik des Saarlandes ist vielfältig. Zahlreiche ehemals genutzte Bahnstrecken lägen brach, teils noch nicht einmal entwidmet, böten sich also an, um wieder in Betrieb genommen zu werden, um das Angebot für den öffentlichen Personennahverkehr weiter zu verbessern. Doch was hält die Landesregierung von solchen Forderungen und wie realistisch sind sie?

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Reaktivierung alter Bahnstrecken - wie sinnvoll wäre das?
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 31.08.2018, Länge: 03:11 Min.]
Reaktivierung alter Bahnstrecken - wie sinnvoll wäre das?

Aus dem Stau auf die Schiene - das klingt für viele Saarländer zu schön, um wahr zu werden. Auch Staatssekretär Jürgen Barke aus dem Verkehrsministerium sieht den Grundgedanken positiv, doch es gibt ein großes Aber. Ob Blies -, Rossel-, Köller- oder Illtal - zwischen Land und Gemeinden seien viele Gespräche über möglich neue alte Zugverbindungen geführt worden, "doch die Fahrgastzahlen, die man bräuchte, um eine Strecke auch nur annhähernd wirtschafttlich zu betreiben, sind an vielen Stellen nicht erwartbar", sagt Barke. Vor dem Hintergrund von "Schuldenbremse und Auflagen unserer Verfassung" seine der Landesregierung hier die Hände gebunden.

Güter- und Personenverkehr - die Kombi macht's

Das kann Werner Ried vom Verkehrsclub Deutschland so nicht nachvollziehen. Trotz der großen Affinität der Saarländer zum Auto: woanders - zum Beispiel in Rheinland-Pfalz oder Bayern - ginge es doch auch, und das trotz teils geringerer Bevölkerungsdichte. Außerdem gebe es im Saarland "eine phantastische Infrastruktur, die historisch gewachsen ist." Er könne sich zum Beispiel eine Streckenreaktivierung im Bisttal vorstellen und eine durchgehende Verbindung bis Losheim. Und wenn man Personen- und Güterverkehr kombiniere, dann mache dies auch unter wirtschaftlichem Aspekt Sinn, so Ried.

Genau das könnte im Fall der Strecke Dillingen-Bouzonville auch gelingen. Es gebe Interesse im Bereich Güterverkehr, sagt Staatssekretär Barke. Es brauche nun aber auf der französischen Seite, auf der der größte Teil der Strecke verlaufe, definierte Verkehre. Dazu seien sicherlich noch einige Gespräch mit der französischen Seite notwendig. Grundsätzlich aber würde Barke die finanziellen Mittel lieber für Verbesserungen auf den Hauptachsen des ÖPNV ausgeben, unter anderem für ein faireres Tarfsystem.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" am 31.08.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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