Urban Loop (Foto: SR/Marc-André Kruppa)

"Urban Loop" Nancy startet in die nächste Runde

Marc-André Kruppa   07.11.2022 | 16:00 Uhr

Wie können wir den Verkehr umweltfreundlicher und attraktiver für die Menschen gestalten? Mehr Busse und Bahnen? Oder vielleicht sogar etwas ganz anderes? In Nancy wird seit Jahren so etwas „ganz anderes“ entwickelt: Das Kapsel-Taxi „Urban Loop“. Und es soll bald für erste Fahrgäste zum Einsatz kommen.

Ein bisschen sieht es aus wie im Science-Fiction Film: Eine Reihe gläserner Mini-Kapseln auf Rädern rollt über Schienen, komplett eigenständig mit Platz für eine oder zwei Personen - ein Meter breit, 1,60 Meter hoch und gut drei Meter lang.

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Kapsel-Taxi soll zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris fahren
Audio [SR 3, Marc-André Kruppa, 07.11.2022, Länge: 03:07 Min.]
Kapsel-Taxi soll zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris fahren

Paris 2024 ist das Ziel für den Start

Noch rollt „Urban Loop“ an der Uni Nancy auf einer Teststrecke, doch schon bald soll das Kapsel-Taxi für den öffentlichen Personenverkehr zum Einsatz kommen - und zwar zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Das ist zumindest der Plan von „Urban Loop“ Gründer Jean-Philippe Mangeot. "Dort werden wir die ersten „Urban Loop“-Kapseln auf die Schiene bringen, die auch eine staatliche Erlaubnis zum Transport von Menschen haben. Wir planen mit zehn Fahrzeugen und drei Haltestellen in einem Radius von zwei Kilometern."

Individuell und ohne CO2-Emissionen

Seit Jahren tüfteln die Ingenieure und Studierende an der Uni Nancy, wie man möglichst viele Menschen „individuell“ und ohne CO2-Emissionen von A nach B bringt. Bei Bus und Bahn muss man an einer Haltestelle gemeinsam mit anderen darauf warten, dass Bus bzw. Bahn zu einer bestimmten Zeit ankommt. Das ist aus Sicht von Jean-Philippe der Grund, warum immer noch so viele lieber das Auto nehmen. 

Bei „Urban Loop“ soll jeder an der Strecke in seine eigene Kapsel steigen und dann den Halt ansteuern können, den man will. "Die Kapseln haben zwei Motoren und einen Zentralcomputer, der alle Kapseln koordiniert steuert, so dass jeder, der an einer Haltestelle steht, auch eine bekommt. Ihre Energie ziehen die Kapseln über die Schienen. Das heißt sie haben keine Batterie, sind somit auch leichter und damit umweltfreundlicher.

Urbanloop – Fortbewegungsmittel der Zukunft?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 07.11.2022, Länge: 05:03 Min.]
Urbanloop – Fortbewegungsmittel der Zukunft?

Verkehrssicherheit: das A und O

So viel zur Theorie und zur Teststrecke. Aber bis Paris 2024 gibt es für das Team in Nancy noch viel zu tun. Ausreichend Kapseln und Schienen bauen und vor allem: Alle Szenarien durchrechnen, in denen der Betrieb gestört werden könnte. Auf der Teststrecke auf freier Fläche an der Uni funktioniert alles ganz prima. Aber wie sieht es aus, wenn die Kapseln auf Schienen neben einem Fahrradweg auf der Straße oder im Fußgängerverkehr rollen?

Das System müsse beweisen, dass es unter jeder Bedingung funktioniere und es keine Zusammenstöße gibt, sagt „Urban Loop“-Mitarbeiter Thomas Baroche. "Weil die Leute, anders als beim Auto, nicht selbst die Kontrolle über die Kapseln haben, müssen wir über den Zentral-Rechner für Sicherheit garantieren."

In Großraumbüros mit mehreren Rechnern werden Crashs der Kapseln und das Einwirken von Fußgängern auf den Strecken simuliert. Dazu basteln die Mitarbeitenden an einer eigens programmierten K.I. Auch muss sich das Team mit der Frage befassen, wo „Urban Loop“ seinen Platz im Verkehrsnetz einer dicht besiedelten Stadt findet.

Erste Interessenten für Regelbetrieb

Jean-Philippe Mangeot hofft, dass das System die Politik so sehr überzeugt, dass es den Auto-Verkehr Stück für Stück verdrängt. Das erste Schienennetz in der Großregion soll in Nancy selbst entstehen. Dafür hat er schon gemeinsam mit der Stadt einen Platz gefunden – ein Wohngebiet mit einer stillgelegten Bahntrasse. Dort soll „Urban Loop“ einen Pendlerparkplatz mit der Innenstadt verbinden, so dass die Menschen nicht mehr mit dem Auto, sondern der Kapsel in die Innenstadt fahren.

Inzwischen haben auch schon andere französische Städte Interesse an „Urban Loop“ angemeldet – zum Beispiel Hyères im Süden oder La Rochelle im Westen. Für die Städte lohnt es sich: Denn im Vergleich zum Bau einer Straßenbahn ist „Urban Loop“ mit einer bis fünf Millionen Euro pro Kilometer relativ günstig.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 07.11.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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