Die französischen Präsidentschaftskandidaten 2022 Macron und Le Pen (Foto: picture alliance / PHOTOPQR/L'EST REPUBLICAIN/MAXPP | Alexandre MARCHI)

Stichwahl in Frankreich: Macron oder Le Pen?

Es wird eng für Macron

Mit Informationen von Lisa Huth   13.04.2022 | 12:17 Uhr

Bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich gehen am 24. April 2022 Emmanuel Macron und seine rechtspopulistische Herausforderin Le Pen in die Stichwahl. Vor fünf Jahren sind die beiden schon mal gegeneinander angetreten. Damals hieß der Sieger Macron. Und dieses Mal? Einschätzungen von SR-Frankreich-Expertin Lisa Huth.

Am Sonntag nach Ostern ist der zweite Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich. In der Grenzregion hat Le Pen viele Anhänger. Die wichtigsten Fragen an Frankreich-Expertin Lisa Huth:

Französische Präsidentschaftswahlen: Wer hat in der Großregion die Nase vorn?
Audio [SR 3, Lisa Huth (c) SR, 13.04.2022, Länge: 04:19 Min.]
Französische Präsidentschaftswahlen: Wer hat in der Großregion die Nase vorn?

Wie sieht Le Pens Strategie aus?

Sie den Ton geändert. Bei ihrem Wahlkampfauftritt in Stiring-Wendel an der Grenze zum Saarland hat sie hat nicht gepoltert, gedonnert oder polarisiert wie früher, sondern den Menschen gesagt: "Ihr seid abgehängt worden, wenn ich Präsidentin bin, dann werde ich Euch Eure Würde wieder geben." Das wollen die Leute hören.

Warum wählen so viele Franzosen an der Grenze anti-europäisch?

Bei unseren Nachbarn gibt es eine breite Stimmung gegen Migranten, gegen die Kinder und Kindeskinder der Migranten. Da geht es um die alte Kolonialgeschichte Frankreichs, aber auch um Geflüchtete. Die Leute sagen mir, sie wollen die Grenzen wieder hochziehen, damit sie für „die“ dicht gemacht wird. Dass die Grenzen dann auch wieder für sie da sein werden, sehen sie nicht.

Im Gegensatz dazu wirkt Emmanuel Macron spröde, unnahbar, im fernen Paris. Und die Nummer mit „denen in Paris“ zieht auf dem Land. Viele Gebiete in Frankreich fühlen sich abgehängt. Nehmen wir ein Beispiel: die Forderungen der Menschen nach ganz einfachen Dingen wie etwa mehr Busse oder mehr Gemeinwesen vor Ort. Für jede Kleinigkeit müssen die Menschen beispielsweise aus Creutzwald nach Metz in die Präfektur oder gar nach Straßburg fahren. Dinge, die hier im Saarland zum Beispiel in den Gemeinden erledigt werden.

Altlasten der jetzigen Regierung

Dann natürlich der Abbau im Gesundheitswesen – im Vergleich zu Deutschland – ist der dort noch drastischer von statten gegangen. Und schließlich: die Renten. Macron will das Rentenalter erhöhen. Eine seit vielen Jahren verschobene Reform. Nach dem Aufschrei ist er ein wenig zurück gerudert: statt von 62 auf 65 könnte die Erhöhung jetzt nur auf 64 Jahre kommen.

Die Wirtschaft brummt aber und die Arbeitslosigkeit geht zurück

Seit Macron an der Regierung ist, ist auch in Grand Est die Zahl der Arbeitslosen deutlich zurück gegangen. Und gerade in der Ukraine-Krise macht er europaweit eine gute Figur. Da stellt Frankreich tatsächlich was dar, während Deutschland einen Schlingerkurs fährt. Macron macht also genau das, was Marine Le Pen den Franzosen bei ihren Wahlkampfauftritten nur verspricht.

Aber es geht eine Spaltung durch das Volk, auch in Lothringen. Die einen sehen in Macron einen Aufbruch, die Zukunft für Frankreich, Teilhabe auf einem modernen Planeten, so ist etwa der Ausbau des schnellen Internet in Frankreich sehr viel weiter als in Deutschland. Dagegen wünschen sich die anderen so ein bisschen wieder die 30-er Jahre zurück, rot-weiß-karierte Tischdecken, die Familien drumherum versammelt - und die Modernisierung kommt dann irgendwie, ohne dass man etwas verändern muss.

Wer könnte am Ende gewinnen?

Wie sonst auch üblich in Frankreich, rufen die zehn Verlierer-KandidatInnen dazu auf, entweder Macron oder Le Pen zu wählen. Da wird jetzt viel gerechnet, auf welche Prozentzahl die Beiden kommen könnten.

Dann rufen Konservative wie der Regionalratspräsident Jean Rottner oder der Metzer Bürgermeister François Grosdidier dazu auf, Macron zu wählen. Sie wollen eine Front, den "Front Républicain", für Macron bilden. Die Region Grand Est ist überwiegend konservatives Land. Das heißt, die Mehrzahl der Menschen in Grand Est hat in bisherigen zweiten Wahlgängen eher konservativ gewählt, nicht rechtsradikal. Wenn also viele führende Persönlichkeiten für Macron aufrufen, könnte es also gut gehen für ihn.

Allerdings sagen auch viele Wählerinnen und Wähler: "Wir haben jetzt alles ausprobiert, konservativ, sozialistisch, Macron. Sie haben uns alle enttäuscht. Jetzt soll die Le Pen mal ran." Mein Eindruck: Es wird dieses Mal laufen wie in den USA: In den großen Städten wählen sie Macron. Dort geht die Wahlbeteiligung aber mehr zurück als auf dem Land. Darum wird meiner Meinung nach die Wahl auf dem Land gewonnen. Und da muss Macron noch richtig viel tun.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 13.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.


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