16.06.2019, Berlin: Ralph Brinkhaus (l-r), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, Kommissarischer Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Helge Braun (CDU), Kanzleramtsminister, Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin, und Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, laufen vor Beginn eines Treffens des Koalitionsauschusses von CDU/CSU und SPD über einen Balkon im Bundeskanzleramt. (Foto: dpa / picture alliance / Gregor Fischer)

Warum Politiker reden, wie sie reden

mit Informationen von Markus Person   23.10.2019 | 06:54 Uhr

Am Dienstagabend hat in Saarbrücken ein Podiumsgespräch „Nichts als Phrasen? Warum reden Politiker in Floskeln – und was hat das mit uns zu tun?" stattgefunden. Auf der Bühne saßen FAZ-Journalist Oliver Georgi, der ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat und Landtagspräsident Stephan Toscani.

Nichts als Phrasen?
Audio [SR 3, (c) SR/Markus Person, 23.10.2019, Länge: 03:54 Min.]
Nichts als Phrasen?

„An einem Wahlabend wird ein Politiker direkt um 18.03 Uhr gefragt welche Gründe er für die Wahlniederlage findet - Und er im Grunde noch gar nicht weiß, warum die verloren haben. Dann muss er Zeit gewinnen. Dann muss er eben sagen: Wir werden die Gründe für die Niederlage erstmal gründlich aufarbeiten und dann müssen wir zur Sacharbeit zurückkehren“ sagt FAZ-Journalist Oliver Georgi. Häufig nutzten Politiker auch Phrasen, wenn sie schlicht auf eine Frage keine konkrete Antwort hätten oder bestimmte Themen nicht konkreter benennen wollten, so Georgi: „Politiker sollten auch mal zugeben, dass sie gerade keine Meinung oder keine Ahnung haben. Das ist völlig menschlich.“

Ein weiterer Grund, weshalb sich Politiker oft in Phrasen verlieren sei die Geschwindigkeit des Medienbetriebs mit den sozialen Netzwerken und Nachrichten rund um die Uhr. Das sieht auch Landtagspräsident Stephan Toscani so: „Früher war das so, man hatte morgens die Tageszeitungen, die die Medienlandschaft bestimmt haben. Heute haben sie alle ein zwei Stunden eine neue Nachrichtenlage durch die Onlinemedien – auch mit der Notwendigkeit, darauf reagieren zu müssen.“

Streitkultur immer wichtiger

Georgi wünscht sich mehr Mut von den Politikern, sich klarer und authentischer zu äußern. Um mehr Ehrlichkeit bei Politikern zu erreichen, müsse sich aber auch das Verhalten der Gesellschaft generell ändern: "Wir brauchen auch erst mal Ehrlickeit bei uns, auch die Authentizität, die wir einfordern von Politikern, auch auszuhalten." Gegen Floskeln und Phrasen muss jeder etwas tun: Die Politik braucht klare Worte, die Medien sollten sich nicht auf jede Aussage stürzen und die Gesellschaft muss sich daran üben, eine lebendige, demokratische Streitkultur zu leben.

Inteview mit Autor Oliver Georgi
"Und täglich grüßt das Phrasenschwein"
Wenn einem Politiker "vollstes Vertrauen" ausgesprochen wird, dann gehen bei Eingeweihten schon alle Warnlampen an - denn im Grunde wissen alle: Der Rauswurf droht. Der Autor und FAZ-Redakteur Oliver Georgi ("Und täglich grüßt das Phrasenschwein") meint im SR-Interview: "Politiker reden in Phrasen, weil sie nicht in jedem Moment konkret werden wollen." Er wünscht sich von Politikern mehr Authentizität.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" auf SR3 Saarlandwelle am 23.10.2019 berichtet.

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