Der Yachthafen von Hamilton auf den Bermudas - eine klassische Steueroase  (Foto: dpa)

Interview: "Rund um den Globus gibt es Hunderte Ermittlungen"

  05.11.2018 | 08:55 Uhr

Am 05.11.2017 wurde plötzlich sehr viel über Steuerspartricks von Apple, Siemens, der Queen oder auch Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton gesprochen . Die sogenannten Paradise Papers haben damals offenbart, wie Unternehmen und Reiche Steuern vermeiden.

Ein internationales Journalistennetzwerk hat die Daten ausgewertet und veröffentlicht. Insgesamt waren es mehr als 13 Millionen geheime Dokumente über Finanzgeschäfte von Prominenten, Politikern und Konzernen. Der Journalist Frederik Obermaier von der Süddeutschen Zeitung hat sich ebenfalls durch die Akten gewühlt. Ihn hat SR 3-Moderator Michael Friemel gefragt, ob sich die Enthüllung gelohnt hat.

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"Bis heute beschäftigt sich das Europaparlament mit den Paradise Papers" (Grafik: SR)
Audio [SR 3, Michael Friemel , 05.11.2018, Länge: 02:38 Min.]
"Bis heute beschäftigt sich das Europaparlament mit den Paradise Papers" (Grafik: SR)

Obermaier sagte, der Fall sei zwar aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden. Rund um den Globus gebe es aber Hunderte Ermittlungen. Vor Kurzem erst sei ein schweizerisch-angolanischer Geschäftsmann verhaftet worden. Er stehe im Verdacht, den angolanischen Staatsfonds mit geplündert zu haben.

Viele kleine Puzzleteile

Der US-amerikanische Handelsminister Wilbur Ross habe sich aus seinen Investments wegen eines Interessenkonflikts zurückgezogen. Dabei ging es um Geschäfte mit russischen Unternehmen. So gebe es viele kleine Puzzleteile, mit denen die Recherchen etwas in Bewegung gesetzt und auch in Bewegung gehalten hätten.

Das Europaparlament habe eine Delegation auf die Insel "Isle of Man" entsandt. Dort gibt es nämlich eine Menge Steuerschlupflöcher, so Obermaier. Insgesamt könne die Politik aber noch einiges mehr tun.


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Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 05.11.2018 berichtet.

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