Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises. (Foto: Marie Reichenbach/dpa)

Chefärzte widersprechen Organspende-Kritik

Mit Informationen von Steffani Balle   23.01.2020 | 13:26 Uhr

Mit ihren Äußerungen zur Organspende hat die Homburger Klinikseelsorgerin Sabine Hofäcker für Aufsehen gesorgt. Sie hatte gesagt, eine Palliativversorgung von Sterbenden mit einem potenziellen Spenderorgan sei nicht möglich. Palliativmediziner Sven Gottschling widerspricht.

Hofäcker hatte am Freitag vergangener Woche im Gespräch mit der Nachrichtenagentur epd die Entscheidung des Bundestages zur Organspende begrüßt. Sie kritisierte, dass die Menschen bei dem Thema nicht ausreichend informiert würden. Außerdem sei eine Palliativversorgung von Sterbenden mit einem potenziellen Spenderorgan nicht möglich.

Gottschling: „Keine Entweder-Oder-Entscheidung“

Weiter Streit um Organspende
Audio [SR 3, Steffani Balle, 23.01.2020, Länge: 03:59 Min.]
Weiter Streit um Organspende

Dem widersprach Professor Sven Gottschling, Chefarzt des Palliativzentrums an der Uniklinik Homburg, am Donnerstag gegenüber dem SR. Kein Mensch müsse fürchten, wegen eines „Ja“ auf dem Organspendeausweis nicht angemessen mit Schmerzmitteln versorgt zu werden. „Das ist keine Entweder-Oder-Entscheidung. Das geht beides.“

Dass Organe möglicherweise zur Transplantation nicht mehr geeignet seien, wenn der Spender vor seinem Tod starke Schmerzmittel bekommen hat, sei sachlich falsch, fügte der Chefarzt des Transplantationszentrums am UKS, Urban Sester, hinzu. Sowieso kämen für eine Organspende nur Patienten infrage, die auf der Intensivstation einen Hirntod erleiden. In der Situation bräuchten diese Menschen keine palliative Versorgung mehr, denn sie seien ja bereits verstorben.

Palliativversorgung setzt früher ein

Die palliative Versorgung setze früher ein und umfasse die gesamte Familie, so Gottschling. Auch Gespräche mit Angehörigen, Abschiednehmen und Organisatorisches gehörten dazu.

Über Transplantation und palliative Versorgung werde in der Gesellschaft viel zu wenig gesprochen, weil es unangenehme Themen seien, die mit der eigenen Sterblichkeit zu tun haben. Daher rührten etliche Missverständnisse, sagte Transplantationsmediziner Sester im SR-Interview. Und das sei das Grundproblem der Organspende.

Mediziner an der Saar äußern sich
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Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Region am Mittag vom 23.01.2020 berichtet.

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