Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Karmann)

Aktion "Krankenhäuser in Not" fordert 100 Millionen Euro Soforthilfen

Steffani Balle / Onlinefassung: Jil Kalmes   15.09.2022 | 07:01 Uhr

Die Krankenhäuser in Deutschland schlagen Alarm. Der Personalmangel und die steigenden Energiekosten bedrohen auch die saarländischen Kliniken. Die Aktion "Krankenhäuser in Not" soll auf diese Notlage aufmerksam machen.

Die bundesweite Aktion "Krankenhäuser in Not" der deutschen Krankenhausgesellschaft erreicht heute das Saarland. Der Aktionsbus parkt den ganzen Tag vor der SHG-Klinik auf dem Sonnenberg und macht auf die wirtschaftliche Notlage der Krankenhäuser aufmerksam.

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Aktionsbus "Krankenhäuser in Not" heute in Saarbrücken
Audio [SR 3, Steffani Balle, 15.09.2022, Länge: 01:49 Min.]
Aktionsbus "Krankenhäuser in Not" heute in Saarbrücken

Energiekrise, Inflation und Personalmangel

Die steigenden Energiekosten machen auch vor den Krankenhäusern nicht halt. Etwa 100 Millionen Euro werden benötigt, um unter anderem Gas- und Stromabschläge zu zahlen, sagt Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. Strom und Heizungen sind im Krankenhaus überlebenswichtig – man kann nicht einfach mal ein paar Geräte abschalten oder die Heizung herunter drehen.

Personal in saarländischen Krankenhäsuern dringend gesucht
Audio [SR 3, Steffani Balle, 15.09.2022, Länge: 02:42 Min.]
Personal in saarländischen Krankenhäsuern dringend gesucht

Auch der Personalmangel erschwert die Arbeit in den Krankenhäusern. Zwar hat sich bei der Bezahlung einiges getan – seit September 2022 liegt der Mindestlohn für Pflegekräfte bei 17,50 Euro pro Stunde – doch eine Verbesserung der Arbeitsbelastung gab es nicht. Eher im Gegenteil: Zwölf Schichten am Stück sind eher die Regel als die Ausnahme. Hinzu kommt der hohe Krankenstand und das spontane Einspringen für Kollegen und Kolleginnen.

100 Millionen Euro im Saarland benötigt

Um die Notlage zu überstehen und die Liquidität zu erhalten, fordert die Saarländische Krankenhausgesellschaft eine Soforthilfe von mindestens 100 Millionen Euro. Das Geld soll vom Bund kommen. Beim Ausbleiben der Hilfe befürchten einige Krankenhausträger, ihr Personal bald nicht mehr bezahlen zu können.

Das Saarland selbst kann keine Geldmittel zur Verfügung stellen. Allerdings hat Gesundheitsminister Magnus Jung im SR-Interview Unterstützung beim Einsetzen schon bereitstehender Investitionsmittel versprochen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach signalisierte Magnus Jung einen möglichen Zuschuss für die Energiekosten zur kurzfristigen Entlastung der Kliniken. Wann und in welcher Höhe ist allerdings noch nicht bekannt.

Saar-Gesundheitsminister Jung über die Notlage in den saarländischen Krankenhäusern
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 15.09.2022, Länge: 03:54 Min.]
Saar-Gesundheitsminister Jung über die Notlage in den saarländischen Krankenhäusern

Lösung für Personalmangel

Die beste Lösung für den Personalmangel ist, die Pflegearbeit attraktiver zu machen - also vor allem geregeltere Arbeitszeiten zu schaffen.

Dafür gibt es mittlerweile spezielle Agenturen, die examinierte Pflegekräfte vermitteln. Der Vorteil für die Pfleger und Pflegerinnen: ein geregelter Dienstplan ohne Überraschungen. Doch Agentur-Pflegekräfte sind für die Kliniken oft teurer – was die wirtschaftliche Notlage der Kliniken nur noch weiter verschlimmern würde.

Deshalb werden seit Kurzem zunehmend Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland angeworben – aus Mexiko, Indien oder dem Kosovo.


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Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 15.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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