Netzwerk "Generation Ü" und ihr "Ü-Wagen"  (Foto: SR/Lena Schmidtke)

Netzwerk bringt Ruheständler und Arbeitgeber zusammen

Lena Schmidtke   21.10.2021 | 16:30 Uhr

Fitte Senioren auf der einen Seite – Fachkräftemangel bei Arbeitgebern auf der anderen. Wieso also nicht einfach Ruheständler nochmal für die Berufswelt rekrutieren? Natürlich in deutlich geringerem Umfang. Das Netzwerk „Generation Ü“ macht genau das und hat deshalb seinen „Ü-Wagen“ auf Deutschland-Tour geschickt. Auch bei uns im Saarland hat er schon seinen ersten Stopp gemacht, und zwar in Saarlouis.

Manchen ist es einfach zu langweilig im Ruhestand, andere würden sich gerne was zur Rente oder Pension dazu verdienen. Wieder andere wollen ihr Wissen und ihre fachliche Kompetenz einfach nicht brach liegen lassen. Und das ist gut so, denn "in den nächsten Jahren gehen 11,5 Millionen Babyboomer in Rente und es kommen nur 7,5 Millionen nach“, sagt Harry Thiele vom Netzwerk "Generation Ü".

"Generation Ü" bringt Ruheständler und Arbeitgeber zusammen
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 21.10.2021, Länge: 03:07 Min.]
"Generation Ü" bringt Ruheständler und Arbeitgeber zusammen

Das Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, über 65-Jährige und Arbeitgeber zusammenbringen. Und Thiele ist überzeugt: "Immer mehr Firmen, Stiftungen, Privatleute werden die "Üs" in Anspruch nehmen, weil sie sonst auf dem freien Markt gar keine Kräfte bekommen.“

"Generation Ü" bringt Suchende zusammen

Aktion des Netzwerks "Generation Ü" (Foto: SR/Lena Schmidtke)

"Generation Ü" nimmt Interessierte "Üler" und suchende Arbeitgeber in sein System auf und versucht, sie je nach Präferenz miteinander in Kontakt zu bringen. Die "Üler" geben an, was sie gerne machen würden und wie viel sie arbeiten möchten und die Arbeitgeber geben Gesuche auf.

„Im Moment en vogue ist Nachhilfe für Schüler. Der Nachholbedarf nach Corona ist riesig“, sagt Thiele. Aber "Generation Ü" vermittelt natürlich auch in viele weitere Bereiche. Ob bei der Kinderbetreuung, als Chauffeurin, in der Fahrradreparatur, in einem Pharmakonzern, bei einem Kurierdienst oder einem Immobilienmakler ist: alles ist möglich.

Ein Beispiel

Ein Saarlouiser Immobilienmakler beispielsweise hat durch das Netzwerk eine neue Mitarbeiterin gefunden. Sie ist 65 Jahre alt, hat 30 Jahre im Verkauf gearbeitet und nun arbeitet sie zehn Stunden pro Woche für den Makler. "Sie macht für mich Besichtigungen, Büroarbeit, macht Termine. So habe ich jemanden mit Berufserfahrung und ihr Wissen kann sie auch den Jüngeren weitergeben." Eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Der Makler profitiert von ihrer Erfahrung und bei der Ruheständlerin kommt keine Langeweile auf.

Natürlich werden die "Üler" für ihre Arbeit auch entlohnt, je nach Job und Zeitaufwand. Wie viel, das müssen sie mit dem Arbeitgeber selbst aushandeln.

Keine Konkurrenz zum regulären Arbeitsmarkt

Eine Konkurrenz zum normalen Arbeitsmarkt soll das Ganze auf keinen Fall sein - das ist den Machern des Netzwerks sehr wichtig. „Im Arbeitsmarkt will man ja 'ne Vollzeit- oder 'ne Teilzeitstelle – aber nicht vier oder fünf Stunden in der Woche", sagt Thiele. So manchem Arbeitgeber sei aber mit einer solch stundenmäßig geringen Unterstützung richtig geholfen.

Über 600 "Üs" sind inzwischen schon bei "Generation Ü" dabei, teils vermittelt, teils noch auf der Suche. Und vielleicht werden es in den nächsten Tagen auch noch ein paar Saarländerinnen und Saarländer mehr, denn der "Ü-Wagen" macht am Freitag, 22. Oktober, in Saarbrücken in der Bahnhofstraße und am Samstag, 23. Oktober, am St. Wendler Schlossplatz Station - und zwar jeweils von 10.00 bis 14.00 Uhr.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 21.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja