Michael Thieser (Foto: SR)

"Tobias Hans hat Luft nach oben"

Michael Thieser   09.05.2019 | 16:13 Uhr

Die CDU mit 37 Prozent klar stärkste Kraft, die SPD verliert leicht, liegt bei 25 Prozent. Die Linken verharren bei zwölf Prozent und die AfD rutscht ab von 15 Prozent im vergangenen Juni auf jetzt nur noch acht Prozent. Die deutlichsten Gewinne können die Saar-Grünen verzeichen, sie kämen bei einer Wahl im Saarland mit 11 Prozent in den Landtag. Die FDP wäre mit vier Prozent dagegen weiter zum Zuschauen verurteilt. Mit diesen Zwischenergebnissen gibt der Saarlandtrend den Kurs für den Wahlkampf-Endspurt zur Kommunal- und Europawahl am 26. Mai vor. Noch sind es zwei Wochen und wie gesagt: Umfragergebnisse sind noch keine Wählerstimmen. Zur aktuellen Stimmunslage im Saarland ein Kommentar von Michael Thieser.

Die Welt, so scheint, es gerät aus den Fugen. Alles dreht sich immer schneller und da ist es gut, wenn wenigstens zu Hause niemand den Überblick verliert. Trotz mancher Hiobsbotschaft aus der Saar-Wirtschaft in den letzten Wochen, mehr als vier Fünftel der Saarländer sind mit ihrer Lebens Situation zufrieden oder gar sehr zufrieden. Das ist ein enormer Wert und zeigt: für die große Mehrheit der Menschen, die hier leben ist das Saarland Heimat und der Ort, an dem sie sich wohlfühlen.

Schwarz-Grün möglich

Und dem entspricht auch im Großen und Ganzen die politische Großwetterklage. CDU und SPD regieren geräuschlos und beide Parteien können sich im neuen Saarland Trend mehr oder weniger behaupten. Allerdings was die Mehrheitsbildung anbetrifft, wäre auch eine rot-rot-grüne oder erstmals sogar eine schwarz-grüne Regierungsbildung möglich, wenn bereits am kommenden Sonntag gewählt würde.

Die Grünen sind insofern der Gewinner der aktuellen Meinungsumfrage. Die Partei kommt auf 11 Prozent, der höchste im Saarland jemals gemessene Wert. Dies dürfte vor allem bundespolitische Gründe haben. Der Klimawandel und die Nachrichten über einen dramatischen Rückgang der Artenvielfalt haben nicht nur der Fridays-for-Future Generation und der eigenen Stammklientel einen schrecken eingejagt, sondern es sind diese Megathemen, die aller Voraussicht nach in Zukunft darüber mit entscheiden, wer am Ende das Sagen hat und die die Regierung stellt. Der Aufschwung der Grünen dürfte deshalb auch beide der bevorstehenden Europa- und Kommunalwahl sowie im gesamten Bundesgebiet anhalten.

AfD hat Zenit überschritten

Die AfD hingegen so scheint es, hat ihren Zenit endgültig überschritten. Die Parteispendenaffäre in Berlin, interner Streit und personelle Tricksereien hinter den Kulissen haben der Öffentlichkeit eindrucksvoll vor Augen geführt, was es mit dieser Alternative auf sich hat, nämlich nicht allzuviel außer dass am Ende Ausländer und Einwanderer für fast alles Negative die Schuld tragen sollen. Im Saarland jedenfalls hat die Partei in keinem einzigen Politikbereich bis dato ein geschlossenes Politik-Konzept vorgelegt, oder anders ausgedrückt: wenn es um die mittel-langfristige Zukunft sowie die Lösung konkreter Probleme geht, hat die AfD an der Saar weiterhin nichts zu bieten und ist ein Total-Ausfall. Minus 7 Prozentpunkte im neuen SaarlandTREND sind ein deutliches Signal.

Die Linke hingegen liegt stabil bei 12 Prozent und die FDP bliebe mit 4 Prozent weiterhin außerparlamentarisch, wenn bereits am kommenden Sonntag abgestimmt würde. Die Freien Demokraten tun sich gegenwärtig insgesamt schwer, um in der neuen Zeit anzukommen und die richtigen Worte zu finden. Wie viel Staat und wie viel Selbstverantwortung sollen es noch sein?

FDP kann kein großes Konzert anstimmen

Fest steht, mit neoliberalen Politikansätzen lässt sich momentan offenbar kein großes Konzert mehr anstimmen, denn auch Apotheker, Ärzte und Rechtsanwälte spüren, dass sich etwas ändern muss und dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, wenn die soziale Marktwirtschaft und der Planet insgesamt noch eine Zukunft haben sollen.

Das sind zwar alles keine saarländischen Themen, dürften aber dennoch die Stimmungslage auch hierzulande nicht unwesentlich mit beeinflussen, insbesondere was die kleineren Parteien anbetrifft.

SPD blickt mit Sorgen auf Europawahl

Auf der Beliebtheitsskala der Politiker hat demgegenüber Ministerpräsident Tobis Hans nach wie vor noch Luft nach oben. Nach etwas mehr als einem Jahr im Amt kommt er auf 52 Prozent Zustimmung. Das ist im bundesweiten Vergleich nicht besonders viel und damit ist er von den Traumwerten seiner Vorgängerin Annegret-Kramp-Karenbauer noch meilenweit entfernt. Im Alltag etwas mehr Kante zu zeigen, könnte ihm möglicherweise nicht schaden. Seine Vorgänger haben dies genauso gehandhabt und davon profitiert.

Ansonsten blicken die Sozialdemokraten mit Sorge auf die kommende Europawahl. Im Saarland muss die SPD mit einem Minus von 10 Prozentpunkt rechnen. Und sollte dies das Ergebnis bzw. der Trend in ganz Deutschland sein, braucht man kein Prophet zu sein, dann dürfte das Ende der Großen Koalition in Berlin immer wahrscheinlicher werden.

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"Tobias Hans hat Luft nach oben"
[SR 3, (c) Michael Thieser, 09.05.2019, Länge: 03:04 Min.]
"Tobias Hans hat Luft nach oben"

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 09.05.2019 berichtet.

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