Stahlverarbeitung (Foto: dpa)

20 Jahre Montan-Stiftung im Saarland

Mit Informationen von Karin Mayer   17.09.2021 | 10:38 Uhr

Preisdruck, Überkapazitäten, Verluste in der Stahlindustrie und Jobabbau – schon 1993 musste Saarstahl deswegen Konkurs anmelden. Tausende Arbeitsplätze wurden gestrichen, von Zwangsvergleichen und Verkauf war die Rede. Stattdessen wurde dann vor 20 Jahren die Montan-Stiftung-Saar gegründet.

"Es ging darum, Eigentümer-Lösungen zu finden im Jahr 2001, dass die saarländische Stahlindustrie eigenständig weiterleben kann", erklärt Reinhard Störmer, der damalige Stahlkoordinator der Landesregierung.

Ein erfolgreicher Weg

20 Jahre Montan-Stiftung im Saarland
[SR 3, Karin Mayer, 17.09.2021, Länge: 02:17 Min.]
20 Jahre Montan-Stiftung im Saarland

Übernahmeangebote aus der Stahlindustrie schienen dazu nicht geeignet. Stattdessen wurde die Montan-Stiftung-Saar gegründet. Im Kuratorium der Stiftung hat Störmer heute den Vorsitz. Er spricht von einem "Weg, den in Deutschland sonst kein Unternehmen gegangen ist". Dieser sei nach 20 Jahren nun erfolgreich abgeschlossen.

Die Montan-Stiftung-Saar ist seit 20 Jahren Eigentümerin der Stahl-Holding-Saar. Ihr Ziel ist es nach wie vor, die Stahlindustrie im Saarland zu sichern und gut aufzustellen. Während der Nuller Jahre des neuen Jahrhunderts ging es vor allem um Investitionen in moderne Anlagen und neue Produkte. Dabei seien rund zwei Milliarden Euro zusammengekommen, schätzt Störmer.

Lage noch schwieriger

Weiteren Jobabbau in den Unternehmen Saarstahl und Dillinger Hütte konnte die Montan-Stiftung aber nicht verhindern. Und die Lage in der Stahlindustrie ist noch schwieriger geworden - durch Klimaschatzvorgaben und Forderungen nach grünem Stahl müsse die Industrie sich sich neu erfinden, so Reinhard Störmer.

Deshalb investiert die Stiftung jetzt auch in Startups und hat zwei Innovationsgesellschaften gegründet. "Klimaneutral zu sein in 2045 - da arbeiten wir dran, aber das wird noch etwas schwieriger werden."

Eine Bilanz und ein Ausblick

Die Montanstiftung fördert heute Erfinder, Neugründer und Mittelständler
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 17.09.2021, Länge: 03:08 Min.]
Die Montanstiftung fördert heute Erfinder, Neugründer und Mittelständler

Ziel der Montan-Stiftung war, die saarländische Stahlindustrie näher zusammenzubringen. Im Gründungsjahr 2001 war Reinhard Störmer Staatssekretär unter der Regierung Lafontaine. Das Konkursverfahren der Saarstahl AG war gerade abgeschlossen worden, die Stahlindustrie an der Saar orientierungslos und schwach.

Mit der Stiftung sollten vor allem die Besitzverhältnisse neugeordnet werden, es gelang, die Saarstahl AG und die AG der Dillinger Hüttenwerke unter dem Stiftungsdach zusammenzubringen. Wenn man das nicht gemacht hätte, so Störmer, "wäre die saarlische Stahlindustrie heute in anderen Händen. In Händen, die sich vermutlich wenig um die Belange der heute rund 13.000 Beschäftigten im Saarland kümmern würden." Das ist eine Aufgabe der Stiftung. Sie ist einerseits damit beschäftigt, den Transformationsprozess für einen klimaneutralen Umbau der Stahlindustrie voranzutreiben.

Stiftung öffnet sich auch für andere Produkte

Das Thema der vergangenen Tage: Die Gespräche zwischen Bund, Land und Stahlindustrie über die Zusage von Fördermitteln für den Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft im Saarland. Hinzu kommt der Blick über den Tellerrand, sagt der Geschäftsführer der Stiftung, Stefan Rauber. "Stahl steht im Zentrum, aber wir müssen uns weiterentwickeln Das bedeutet: Erstmals in ihrer Geschichte öffnet sich die Stiftung auch für andere Produkte als den Stahl und hat sogar neue Gesellschaften dafür geschaffen."

Gemeinsam mit Hochschulen, Forschungsinstituten und weiteren Partnern will die Montan-Stiftung also Erfinder, Neugründer und Mittelständler fördern, die nicht unbedingt etwas mit Stahl zu tun haben müssen oder im Saarland ansässig sind. Die Absicht dahinter ist sehr wirtschaftlich, nämlich neue Einnahmequellen aufzutun.

Alle mit einer gemeinsamen Mission zusammenbringen

Um ihr Engagement in allen Bereichen zu finanzieren, hat die Stiftung aus der saarländischen Stahlindustrie jährlich zehn bis zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Ein relativ bescheidener Betrag, aber hilfreich, sagt Stiftungsvorstand Reinhard Störmer. Aber damit können alle mit einer gemeinsamen Mission zusammengebracht werden. "Das ist die Kernkompetenz der Montan-Stiftung, damals wie heute." Es geht also immer noch um die Sicherung der saarländischen Stahlindustrie, aber nicht mehr ausschließlich.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 17.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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