Ein Stempel mit der Aufschrift "Mindestlohn" liegt auf einem Tisch. (Foto: dpa)

Dr. Malte Lübker: "Die Bilanz wird sehr positiv ausfallen"

Im Bundestag wird über die Anhebung des Mindestlohns abgestimmt

Michael Friemel. Onlinefassung: Laszlo Mura   03.06.2022 | 10:22 Uhr

Der Bundestag stimmt an diesem Freitag über die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde ab. Die einen versprechen sich davon eine finanzielle Entlastung, andere üben Kritik an dem Vorhaben: Z.B. würde das die Tarifautonomie einschränken.

Dr. Malte Lübker von der Hans-Böckler-Stiftung sagt, die Tarifvertragsparteien hätten auch mit der Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro weiterhin genügend zu tun. Beim Mindestlohn gehe es um einen "Mindeststandard" und "nicht um die Regelung aller Löhne". In einzelnen Tarifverträgen gäbe es zwar noch Lohngruppen, die unterhalb der zwölf Euro lägen, so Lübker. Diese würden dann verdrängt. Zahlenmäßig seien das aber "sehr sehr wenige".

Hälfte aller Beschätigten ohne Tarifvertrag

Malte Lübker: "Die Bilanz wird sehr positiv ausfallen"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 03.06.2022, Länge: 03:32 Min.]
Malte Lübker: "Die Bilanz wird sehr positiv ausfallen"

"Der neue Mindestlohn von zwölf Euro kommt insbesondere da zum Tragen natürlich, wo keine Tarifverträge gelten." Das betreffe ungefähr die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland, rechnet Lübker vor. Es sei durchaus sinnvoll, eine Untergrenze für diese Menschen einzuführen, "damit auch da halbwegs anständige Löhne gezahlt werden".

Wird dadurch nochmal alles teurer?

Für Menschen mit Niedriglöhnen bringe der neue Mindestlohn einen sehr hohen Lohnzuwachs mit sich, sagt Dr. Malte Lübker. Gesamtwirtschaftlich betrachtet falle das aber "gar nicht so sehr ins Gewicht". Auf ganz Deutschland gerechnet komme man auf einen Lohnzuwachs von ca 0,6 Prozent.

Und Lübker glaubt nicht, dass dieser Zuwachs eins zu eins auf die Preise übertragbar ist. "Wir haben einen deutlich geringeren Preiseffekt, das ist so in der Größenordnung von 0,2 Prozenten nach unseren Berechnungen." Berechnungen der Bundesbank seien zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt, so Lübker.

Lübker ist optimistisch

Man könne sogar teil positive Effekte erwarten, z.b. bei der Nachfrage. Aber auch die Produktivität könnte durch die höhreren Löhne gesteigert werden. "Die Bilanz, nach allem was wir sagen können, wird dadurch auch sehr positiv ausfallen."

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 03.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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