Marie Juchacz, die erste Frau, die eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung hielt (Foto: dpa)

Erste Rede einer Frau in Weimarer Reichstag

Marie Juchacz lebte zwischen 1933 und 1935 im damaligen Saargebiet

Elisa Teichmann   19.02.2019 | 08:01 Uhr

Vor 100 Jahren hat Marie Juchacz als erste Frau eine Rede vor der Weimarer Nationalversammlung gehalten. Außerdem hat sie die Arbeiterwohlfahrt gegründet.

Wirklich bekannt ist sie dadurch allerdings nicht geworden. Ines Reimann-Matheis, Landesgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt im Saarland, dagegen, hat sich mit der AWO-Gründermutter beschäftigt: „Sie hat dafür gesorgt, dass Wohlfahrt etwas anderes wurde als Armenfürsorge, dass es darum geht, Menschen als Subjekte ihres Handelns zu sehen, die selber für sich stehen und für sich eintreten können und sich selbst helfen.“

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Erste Rede einer Frau in Weimarer Reichstag
Audio [SR 3, Elisa Teichmann, 19.02.2019, Länge: 03:36 Min.]
Erste Rede einer Frau in Weimarer Reichstag

Ihr Leben kann man als mutig und unerschrocken bezeichnent: Marie Juchacz trotzt gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Sie kommt aus einfachen Verhältnissen: Ihr Vater ist Zimmermann, sie besucht die Volksschule. Die Bildung der besseren Gesellschaft bleibt ihr verwehrt. Und doch engagiert sie sich, lernt fleißig in Frauenbildungsvereinen und wird 1913 Frauensekretärin der SPD.

Verbindung auch ins Saargebiet

Auch mit dem Saargebiet verbindet sie eine intensive Zeit. Zwischen 1933 und 1935 lebte sie hier, bevor sie über Frankreich in die USA emigrierte: Reimann-Mattheis: „Hier in Saarbrücken betrieb sie ein Café für Geflüchtete. In den beiden Jahren hat sie hier versucht, Widerstand zu organisieren, Zuflucht zu organisieren, Nachrichten unter den Geflüchteten zu transportieren.“

Ein Stolperstein in der Bahnhofstraße erinnert an das Café – namentlich erwähnt ist hier allerdings nur Mitstreiterin Johanna Kirchner. Obwohl ihr Name relativ unbekannt ist, haben viele Marie Juchacz einiges zu verdanken. Sie hat sich nicht nur für die Rechte der Frauen, sondern auch für die Rechte der Schwächeren eingesetzt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 19.02.2019 berichtet.

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