Rasenfläche des Ludwigspark-Stadions (Foto: SR)

Ludwigspark: Wird aus dem Pannenbau ein Skandalbau?

Thomas Gerber   15.10.2020 | 11:33 Uhr

Mit einer Verdreifachung der Kosten auf am Ende wohl 50 Millionen Euro und einer schier nicht enden wollenden Bauzeit entspricht der Saarbrücker Ludwigspark saarländischer Tradition: Hierzulande tut man sich beim "öffentlichen Bauen" schwer. Was dem Stadionneubau noch fehlt, ist ein handfestes Strafverfahren wie etwa beim Vierten Museumspavillon. Das könnte sich nun ändern, denn inzwischen interessiert sich die Staatsanwaltschaft für den "Park".

Nun interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für die LuPa-Baustelle
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 15.10.2020, Länge: 01:11 Min.]
Nun interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für die LuPa-Baustelle
Der Streit um den Neubau des Saarbrücker Ludwigsparkstadions bekommt möglicherweise eine neue Qualität. Nachdem die St. Ingberter Baufirma Peter Gross und der Landschaftsbauer Kempf die Stadt auf insgesamt fast 1,5 Millionen Euro wegen nicht gezahlter Rechnungen verklagen wollen, interessiert sich nun auch die Staatsanwaltschaft für die Arena.


Der Chef der Saarbrücker Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) und Stadion-Bauleiter Martin Welker ist als Zeuge vorgeladen. Am 22. Oktober soll er sich bei den Korruptionsermittlern des Landespolizeipräsidiums in der Saarbrücker Hellwigstraße melden. Es geht laut Vorladung um mutmaßliche "Absprachen/Abrechnungen im Zusammenhang mit dem Bau des Ludwigsparkstadions". Eine entsprechende Aussagegenehmigung von Welkers Arbeitgeber liege vor.

Damit könnten die juristischen Auseinandersetzungen rund ums Stadion eine neue Qualität bekommen. Denn bisher ging es hauptsächlich um offene Rechnungen und angeblich nicht auftragsgemäß erbrachte Leistungen. Die St. Ingberter Firma Peter Gross Bau fordert 850.000 Euro, der Garten- und Landschaftsbauer Kempf bis zu 600.000 Euro und beide verweisen auf Rechnungen, die seit Monaten nicht beglichen worden sein sollen.

Anzeige wegen versuchter Köperverletzung

Anzeige wegen versuchter Körperverletzung
Staatsanwaltschaft geht Welkers Vorwürfen nach
Der Chef der städtischen Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU), Martin Welker, soll demnächst von der Polizei zu mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten beim Bau des Ludwigsparkstadions vernommen werden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dem SR, dass diesen Vorwürfen nachgegangen werde.


Neben diesen für ein 50 Millionenprojekt fast schon üblichen zivilrechtlichen Streitereien läuft bereits seit einigen Wochen ein doch eher unübliches Strafverfahren. Nach einem handfesten Baustellenstreit hat Jurist Welker nämlich zwei Mitarbeiter der Firma Gross wegen versuchter Körperverletzung und Nötigung angezeigt. Eine Wasserwaage sei da beinahe auf seinem Schädel gelandet, sagt Welker, der als Mann des offenen Wortes gilt. Bedroht habe man ihn obendrein. Man werde ihm das Genick brechen, sollte er die Rechnungen nicht bezahlen.

Genau dieses Verfahren zum Baustellenstreit ist nun Ausgangspunkt eines Anfangsverdachts, der laut Staatsanwaltschaft aber so vage ist, dass er zur Einleitung eines eigenen Ermittlungsverfahrens nicht ausreicht. Dem Verdacht soll vielmehr zunächst im Rahmen der Ermittlungen zur versuchten Körperverletzung nachgegangen werden.

Andeutungen zu Absprachen


Die "vagen" Hinweise auf Unregelmäßigkeiten hat Welker dabei selbst gegeben. In einer ersten Vernehmung zum Baustellenstreit hatte er Andeutungen zu Absprachen und nicht erbrachten Leistungen gemacht. Deshalb seien die Gross-Rechnungen nicht beglichen worden.

Sollten diese Andeutungen Hand und Fuß haben, könnte die Großbaustelle Ludwigsparkstadion auch politisch noch spannender werden, als sie es jetzt schon ist. Die Korruptionsermittler jedenfalls haben Welker aufgefordert "Unterlagen, die von Bedeutung im Zusammenhang mit Ihrer Aussage sein könnten, zum Termin mitzubringen."

Fußball
Der Umbau des Ludwigsparkstadions
Jahrelang gab es die Absicht, den Ludwigspark neu- oder zumindest umzubauen. Immer wieder wurden Pläne verworfen. Bauarbeiten verzögerten sich, die Kosten schnellten in die Höhe. Im September 2020 konnte dann nach fünf Jahren wieder ein Spiel in dem Stadion stattfinden. Wir zeichnen die Entwicklung in unserer Zeitleiste nach.

Ein Thema in der "Rundschau" am 15.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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