Interview: "Nach unserer Meinung sollte der LSVS aufgelöst werden"

"Nach unserer Meinung sollte der LSVS aufgelöst werden"

Interview: Gerd Heger/Christoph Walter   02.11.2018 | 12:15 Uhr

Christoph Walter, Chef des Steuerzahlerbunds im Saarland, kritisiert die Übernahme der Heizkkosten an der Sportschule in Höhe von 500.000 Euro jährlich durch das Land. "Hier wird echtes Steuerzahlergeld für den LSVS eingesetzt", sagt Walter im SR-Interview. Er plädiert dafür, dass die sportlichen Angelegenheiten im Land nicht länger einem Verband überlassen, sondern dem Innenministerium unterstellt werden sollten. Dann unterläge der Bereich auch der parlamentarischen Kontrolle.

Nach dem skandalösen Umgang mit Geld in den letzten Jahren steht der Landessportverband (LSVS) heute finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Landesregierung hat nun ein Rettungspaket geschnürt, um dem mitgliederstärksten Verband des Landes finanziell aus der Klemme zu helfen. Das Land wird für den notwendigen 15 Millionen Euro Kredit bürgen, gewährt dem LSVS zudem ein Darlehen über 850.000 Euro und übernimmt für die Sportschule die Heizkosten - jährlich an die 500.000 Euro.

An den Bürgschaften und dem Darlehen gebe es im Prinzip nichts auszusetzen, sagt Christoph Walter, Chef des Steuerzahlerbunds im Saarland. Was den Bund der Steuerzahler stört: "Dass auf die Heizkosten in Höhe von einer halben Million verzichtet wird. (...) Hier wird echtes Steuerzahlergeld für den LSVS eingesetzt", sagt Walter im SR-Interview.

Vertragsvereinbarungen nicht angewendet

Bei der Übernahme der Heizkosten beruft sich das Kabinett auf bestehende Altverträge. Diese Verträge stammten aus dem Jahr 1982, so Walter. Damals sei vereinbart worden, "dass das Land die Sportschule dem LSVS überlässt und im Gegenzug darf die Universität die Sportschule weiterhin nutzen, die Universität hat aber die Heizkosten zu übernehmen."

In dem Vertrag gebe es aber auch eine Vereinbarung, die besage: "Wenn sich der Umfang und die Gebäudenutzung erheblich verändert, dann ist auch diese Kostenberechnung neu zu ermitteln", so Walter. In den 36 Jahren, in denen die Vereinbarung nun bestehe, sei viel passiert. Über 40 Millionen seien seitdem dort verbaut und der Olympia-Stützpunkt eingerichtet worden. Im Interview weist Walter zudem darauf hin, dass bereits 2010 der Landesrechnungshof die 500.000 Euro für die Heizkosten moniert hatte.

"LSVS sollte aufgelöst werden"

Walter plädiert dafür, dass der Sport im Saarland nicht länger einem Verband überlassen sein sollte. "Nach unserer Meinung sollte der LSVS im Grunde aufgelöst und das Ganze dem Ministerium unterstellt werden", so der Chef des saarländischen Steuerzahlerbundes. Dann unterliege der Bereich auch der parlamentarischen Kontrolle.


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Politik & Wirtschaft
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Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 02.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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