Landtagsdirektoren belasten Klaus Meiser

Zeyer und Catrein belasten Meiser

Thomas Gerber   11.01.2019 | 13:10 Uhr

Im Strafverfahren wegen des Besuchs in einem früheren Saarbrücker Sternerestaurant auf LSVS-Kosten haben zwei leitende Landtagsmitarbeiter Ex-Präsident Klaus Meiser belastet. Gegen das ehemalige LSVS-Präsidiumsmitglied Franz Josef Schumann wurde unterdessen ein weiteres Untreueverfahren eingeleitet.

Die Landtagsverwaltung teilte auf SR-Anfrage mit, dass weder Direktor Christoph Zeyer noch dessen Stellvertreter Andreas Catrein "bekannt gewesen ist, dass die Kosten dieser Einladung nicht vom damaligen Landtagspräsidenten übernommen wurden." Das Essen habe auf Einladung Klaus Meisers stattgefunden. Zeyer könne sich aufgrund "der Vielzahl dienstlicher Gespräche" mit Meiser nicht mehr an den Inhalt des Treffens erinnern. Nach Erinnerung Catreins habe es sich aber um eine "Nachbetrachtung des vergangenen Halbjahres" gehandelt. Zu der Frage, ob der Besuch eines Sternerestaurants und der Konsum von Champagner für ein Arbeitsessen "sozialadäquat" sind, wollten sich weder Zeyer noch Catrein äußern.

Rechnung mit LSVS-Kreditkarte beglichen

Die Staatsanwaltschaft hatte Meiser jüngst wegen zahlreicher Restaurantbesuche angeklagt. Dazu gehörte auch das Treffen Meisers mit Zeyer und Catrein im Juli 2016 in dem Sternelokal. Die Rechnung für das Mittagessen über knapp 220 Euro hatte Meiser mit der Kreditkarte des LSVS beglichen. Als Aperitif war nach SR-Informationen eine Flasche Champagner berechnet worden.

Landtagsdirektor Zeyer hatte Meiser später - Ende 2017 - bei der Aufarbeitung des LSVS-Skandals beraten. Er hatte an Präsidiumssitzungen des LSVS sowie an Gesprächen mit Wirtschaftsprüfern und Anwälten teilgenommen. Dabei ging es unter anderem um arbeitsrechtliche Folgen für Ex-LSVS-Hauptgeschäftsführer Paul Hans. Auf SR-Anfrage betonte Zeyer, dass er dies nicht in seiner Funktion als Landtagsdirektor getan habe. Die Tätigkeiten seien zudem "gänzlich unentgeltlich erfolgt." Außerdem unterliege er "als Direktor beim Landtag keiner festen Dienstzeitenregelung".

Zeyer gilt als Vertrauter von Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Er hatte Bouillons Feier zum 70sten Geburtstag in der Landessportschule mitorganisiert. Wegen dieser Feier muss sich Ex-Landtagspräsident Meiser ab Ende Februar wegen Untreue vor dem Landgericht verantworten. Zeyer wird dabei vermutlich als Zeuge vernommen werden.


Weiteres Untreueverfahren gegen Ex-LSVS-Präsidiumsmitglied Schumann

Franz Josef Schumann, der zugleich Präsident des saarländischen Fußballverbands ist, wird im Zusammenhang mit einem sogenannten „Juristenessen“ für Mitglieder der Sportgerichte Untreue vorgeworfen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte das Essen Anfang 2017 in der Mensa der Sportschule stattgefunden und Kosten von rund 1700 Euro verursacht. Es bestehe der Verdacht, dass die Kosten vom LSVS und nicht vom Fußballverband getragen worden seien. An dem Essen sollen rund 30 Personen teilgenommen haben.

Schumann wies gegenüber dem SR die Vorwürfe zurück. Diese sogenannten „Juristenessen“ hätten eine 50-jährige Tradition beim Fußballverband. Sie seien ein Dankeschön für die ehrenamtliche Arbeit in den Sportgerichten des Verbandes. Die Kosten der Essen seien stets über ein internes Verrechnungskonto vom Fußballverband getragen worden.

Schumann muss sich ab Ende Februar gemeinsam mit Ex-LSVS Präsident Meiser unter anderem wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Geburtstagsfeier von Innenminister Bouillon vor dem Landgericht verantworten. Das neuerliche Ermittlungsverfahren hatte er selbst in einem „offenen Brief“ an die Fußballvereine im Saarland öffentlich gemacht.


Dossier zur LSVS-Finanzaffäre

Dossier
Die Finanzaffäre beim LSVS
Der Landessportverband für das Saarland (LSVS) ist von einer Finanzaffäre betroffen. Seit Bekanntwerden im Dezember 2017 dringen immer mehr Details an die Öffentlichkeit. Wir zeichnen die bisherige Entwicklung nach.

Über dieses Thema wurde auch in der "Rundschau" am 11.01.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.