Lkw-Fahrer aus dem Kosovo (Foto: SR/Sarah Sassou)

Lkw-Fahrer aus dem Kosovo im Saarland

mit Informationen von Sarah Sassou   04.07.2022 | 12:25 Uhr

In Deutschland fehlen laut Branchenverbänden zwischen 60.000 und 80.000 Lkw-Fahrer. Es gibt kaum Nachwuchs. Im Saarland möchte deshalb der Verband für das Transportgewerbe Menschen aus dem Kosovo zu Berufskraftfahrern ausbilden. Die ersten sind bereits da.

Die Transportbranche steht vor großen Personalproblemen: Fast ein Drittel der Kraftfahrer sei über 55 Jahre alt und es komme kaum Nachwuchs nach, beklagt Armin Rein, Spediteur und Präsident des Verbandes für das Verkehrsgewerbe im Saarland.

Zusammen mit einem Bildungsträger hat er deshalb das Ausbildungsprojekt für Kosovaren ins Leben gerufen. Ein Modellprojekt, das einzigartig in Deutschland ist. SR-Reporterin Sarah Sassou hat zwei der Auszubildenden getroffen.

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Lkw-Fahrer aus dem Kosovo
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 04.07.2022, Länge: 03:13 Min.]
Lkw-Fahrer aus dem Kosovo

Ausbildung im Saarland

In der Werkstatt der Spedition Rein in Saarlouis gibt es zu tun. Um die 200 Lkw sind für die Firma unterwegs - und das bundesweit. Aber Fahrer sind Mangelware. Die Kosovaren Enis und Lirik sollen deshalb hier ausgebildet werden.

Wenn alles nach Plan läuft, halten die beiden in etwa acht Monaten den Facharbeiterbrief als Berufskraftfahrer in den Hände.

Umfangreiche Betreuung

Für die beiden Azubis Enis und Lirik hat Rein eine schöne Wohnung in Saarlouis besorgt. Der Bildungsträger, der das Projekt betreut, kümmert sich um das Organisatorische rund um die Ausbildung.

Das fange bei der Suche nach geeigneten Bewerbern im Kosovo an, sagt Nadja Kowalski von der Christlichen Erwachsenenbildung Merzig. In den ersten sechs Monaten der Schulung hier gehe es dann darum, den Lkw-Führerschein zu erwerben.

Integrationsarbeit

Die Unterstützung aus dem Kosovo soll nachhaltig sein, das wünschen sich alle Beteiligten. Deswegen geht es in der Ausbildung nicht nur um das Fachliche. Auch das Menschliche steht im Vordergrund. Wichtig sei es, die Menschen hier zu integrieren, sagt Rein.

Wenige Jobmöglichkeiten im Kosovo

Im Kosovo habe sich das saarländische Projekt mittlerweile rumgesprochen, erzählt Enis. Über Facebook sei er darauf aufmerksam geworden und sei so schließlich ins Saarland gekommen.

Zuhause hat Enis nach dem Abitur als Gärtner und dann in einem Call Center gearbeitet. Jetzt mit 26 Jahren hat er den Schritt nach Deutschland gewagt. Und dabei hat er erst letztes Jahr geheiratet. Aber im Kosovo gibt es für ihn kaum Möglichkeiten, einen Job zu finden, der ihm den Lebensunterhalt sichert.

Hoffnung auf ein besseres Leben

Das ist bei Lirik genauso. Der 35-Jährige hat ein Wirtschaftsstudium und Berufserfahrung in einer Firma nachzuweisen. Für die Jobchance im Saarland hat er seine Frau und zwei Söhne zurückgelassen. Aber nun muss die Familie ohne den Vater auskommen.

Wenn die Ausbildung beendet ist und Lirik eine Festanstellung hier hat, sollen sie nachkommen. Denn hier erhoffe er sich eine bessere Zukunft für sich und seine Familie.

Weitere Azubis sollen kommen

Vier weitere Speditionen im Saarland wollen ebenfalls Kosovaren als Nachwuchsfahrer ausbilden. Die nächsten zwölf Azubis aus dem Kosovo sollen im September kommen.

Dann sind Enis und Lirik schon fast durch. Natürlich haben sie Heimweh, vor allem nach ihren Familien. Aber das Saarland könnte durchaus ihre neue Heimat werden, sagen sie.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 04.07.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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