Marienhausklinik Ottweiler (Foto: Becker&Bredel)

Land lässt Zustände in Marienhauskliniken prüfen

Thomas Gerber   06.05.2020 | 20:50 Uhr

Der Landespflegebeauftragte Jürgen Bender wird die mutmaßlichen Missstände in den Kliniken Ottweiler, Neunkirchen und St. Wendel des Marienhauskonzerns untersuchen. Einen entsprechenden Auftrag hat der Gesundheitsheitsausschuss des Landtags am 6. Mai erteilt. Die Marienhausstiftung hat derweil ihr Vorgehen in der Coronakrise verteidigt.

Eine Anordnung des Generalbevollmächtigten des kirchlichen Klinikkonzerns, den Pflegeschlüssel zu verschlechtern, hatte zuvor in den Einrichtungen für heftige Proteste geführt. Die Gewerkschaft ver.di hatte von "lebensgefährlicher Pflege" gesprochen.

Bender erhält weitreichende Kompetenzen

Land lässt Zustände in Marienhauskliniken prüfen
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 06.05.2020, Länge: 01:11 Min.]
Land lässt Zustände in Marienhauskliniken prüfen

Der Ausschussvorsitzende Magnus Jung (SPD) sagte, bei seiner Untersuchung habe Bender durchaus weitreichende Kompetenzen. So habe er vor Ort das Recht auf Akteneinsicht und könne Dienstpläne einsehen.

Zudem verfüge er über ein Betretungsrecht und sei befugt, mit Mitarbeitern zu reden. Bei seiner Arbeit sei Bender zwar grundsätzlich frei - dennoch erhoffe sich der Ausschuss auch, dass er eine Mediatorenrolle einnehmen werde.

Schwere Vorwürfe an Marienhaus GmbH

Jung wies darauf hin, dass inzwischen die Marienhaus GmbH offenbar versuche, Whistle Blower ausfindig zu machen, die sich an den Landtag oder die Gewerkschaft gewandt haben. Sollte sich dies bestätigen und Mitarbeitern mit Konsequenzen gedroht werden, sei dies unerträglich. Dann, so der SPD-Politiker wörtlich, lege sich die Marienhaus GmbH "mit dem gesamten Landtag an."

Stiftung verteidigt sich

Die Marienhausstiftung hat derweil ihr Vorgehen in der Coronakrise verteidigt und zugleich Unverständnis über die mangelnde Anerkennung ihrer Leistung im Saarland geäußert. In einer Mitteilung des Stiftungsvorstands an alle Mitarbeiter der Unternehmensgruppe heißt es, "mit Sorge nehme man die wachsende Kritik in der Öffentlichkeit insbesondere im Saarland wahr".

Immerhin habe man zwei Kliniken in Losheim und Ottweiler als COVID-19-Standorte ausgewiesen. Bedauerlicherweise werde dieses Engagement "lediglich zur Kenntnis genommen".

Aufgrund der zurückgehenden Belegungszahlen sei es im Übrigen nur "folgerichtig" gewesen, die Zahl der Pflegekräfte nach unten anzupassen. Es sei klar gewesen, dass bei steigenden Belegungszahlen dies wieder korrigiert werden würde.

Trotzdem werde Marienhaus als Träger verunglimpft – auch werde der Generalbevollmächtigte Thomas Wolfram in einer "nicht akzeptablen Form öffentlich angegriffen und in Misskredit gebracht." Der Stiftungsvorstand stärkte Wolfram in seinem Schreiben an die Mitarbeiter den Rücken. Ihm sei es zu verdanken, dass das Restrukturierungsprogramm "fit for future" in der Unternehmensgruppe erste spürbare Erfolge erziele.

Hintergrund

In den drei Kliniken hatte es zuletzt heftige Proteste aus den Reihen der Belegschaft und der Gewerkschaft gegeben. Hintergrund war eine Anordnung des Generalbevollmächtigten des Marienhauskonzerns, den Personalschlüssel zu verschlechtern.

So sollte auf den Intensivstationen eine Pflegekraft vier statt bisher 2,5 Patienten versorgen. Daraufhin hatten sich zahlreiche Intensivpfleger und -schwestern in Ottweiler krank gemeldet. Inzwischen finden die neuen, schlechteren Pflegeschlüssel allerdings offenbar keine Anwendung mehr. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Planungen als lebensgefährlich bezeichnet.

Entlassung des Pflegedirektors

Im Zuge dieser Vorkommnisse hatte am 5. Mai die Marienhaus GmbH den für die drei Kliniken zuständigen Pflegedirektor Lothar Schramm überraschend freigestellt und den bisherigen Pflegedirektor für Hermeskeil und Losheim Raimund Westrich kommissarisch eingesetzt.

Ein Thema in der SR 3 "Rundschau" vom 06.05.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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