Ferkel (Foto: pixabay/herbert2512)

"Ein Verbrechen gegen die menschliche Ethik"

Michael Friemel / Dr. Hans-Jürgen Willimzik   08.11.2018 | 07:50 Uhr

Männliche Ferkel sollen weiterhin ohne Narkose unter Schmerzen kastriert werden. Das Ende dieser Praxis wurde abermals aufgeschoben. In Sachen Kükenschreddern könnte es möglicherweise bald eine Wende geben.

Bislang werden pro Jahr Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen. In Berlin wird am 08.11. ein "praxisreifes Verfahren" vorgestellt , mit dem das Geschlecht des Küken vor seiner Geburt festgestellt werden kann. SR 3-Moderator Michael Friemel hat mit dem saarländischen Tierschutzbeauftragten Dr. Hans-Friedrich Willimzik gesprochen. Er wollte vor allem wissen: Wieso erst jetzt?

Das frage er sich nicht alleine, sagte Willimzik. Die Verantwortlichen in Berlin wüssten seit Jahren von diesem Verfahren, bei dem mit einem Laser, durch ein winziges Loch ins Ei hinein schaut geschaut werden kann. Jetzt hat das Landwirtschaftsminsterium fünf Millionen Euro für die Entwicklung des Verfahrens gegeben.

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Künftig könnte das Geschlecht schon vor dem Schlüpfen bestimmt werden. (Foto: dpa)
Audio [SR 3, Michael Friemel , 08.11.2018, Länge: 02:53 Min.]
Künftig könnte das Geschlecht schon vor dem Schlüpfen bestimmt werden. (Foto: dpa)

Es sei ein Durchbruch für das Tierwohl. Die Tiere würden nicht mehr "produziert", um anschließend geschreddert oder vergast werden. Die männlichen Eier würden dann halt entsprechend verarbeitet. Willimzik glaubt, dass es den Verbraucherinnen und Verbraucherinnen wert sei, pro Ei vier Cent mehr zu zahlen, wenn dieses Verfahren angewendet werde.

"Reine Lobbyarbeit"

Beim Thema betäubungslose Ferkelkastration seufzte Willimzik tief auf. Es sei ein Verbrechen gegen den Tierschutz, gegen die Natur und gegen die menschliche Ethik. Das Gesetz sei vor fünf Jahren beschlossen worden. Am 1. Januar 2019 sollte es sein Ende haben mit dieser Praxis.

Sechs Wochen vorher tauche plötzlich ein neuer Gesetzentwurf auf. Das sei reine Lobby-Arbeit. Es gehe nur um den Preis und dass die Bauernschaft nicht wolle, dass der Tierartz nochmal auf den Hof komme.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 08.11.2018 berichtet.

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