Mundschutz und Plexiglas im Einzelhandel (Foto: SR)

Wie Firmen in der Corona-Zeit neue Wege beschritten

Yvonne Schleinhege / Online-Fassung: Lisa Huth   22.08.2020 | 14:07 Uhr

In der Corona-Krise mussten viele alles anders machen als gewohnt. Das galt auch für Unternehmen. Manche haben aus der Not eine Tugend gemacht und sind neue Wege gegangen. SR 3 stellt drei von ihnen vor: Waitbird aus Hermeskeil, die Tischlerei Haas aus Schwalbach-Elm und die Saarbrücker Software-Firma IMC.


Waitbird hilft Wartezeiten zu verkürzen

Die App Waitbird um die Wartezeit beim Arzt zu verkürzen
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 22.08.2020, Länge: 03:06 Min.]
Die App Waitbird um die Wartezeit beim Arzt zu verkürzen

Im Wartezimmer sitzen die meisten Menschen herum und verplempern ihre Zeit. Vor acht Jahren haben sich schließlich fünf Bekannte um MIchael Schmidt zusammengeschlossen , ein Unternehmen gegründet und eine App entwickelt, damit die Warterei im Wartezimmer ein Ende hat. Natürlich nicht nur beim Arzt.

Sie haben ein System entwickelt, das mittels eines Smartphones und QR-Codes erlaubt, auf eine virtuelle Warteliste zu kommen. Da sieht er, wie lange es noch dauert, kann die Zeit nutzen, Einkäufe erledigen oder Kaffeetrinken. Ist man an der Reihe, wird man mit Vorlauf zum Beispiel von der Praxis per App informiert.

In der Corona-Zeit gratis

Ein scheinbar einfaches System mit großem Nutzen, gerade in Corona-Zeiten. Denn so können überfüllte Wartezimmer vermieden werden. Die Corona-Krise war für das Team um Michael Schmidt ein richtiger Pusch: Die Nachfrage stieg deutlich an, weil auch die Bereitschaft gestiegen sit, die gewohnten Abläufe zu verändern.

Viel Geld verdienen die fünf Macher von Waitbird damit nicht. Es geht ihnen aber nicht um den schnellen Gewinn. In der Corona-Krise habem soe doe App sogar kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie hoffen natürlich, dass die Unternehmen die Arztpraxen, die ihre App nutzen, später auch dafür zahlen wollen. Die Krise ist für das Start-up Waitbird also eine Chance, durch einen schnellen Push nachhaltig zu wachsen.


Die Tischlerei Haas aus Schwalbach-Elm

Tischlerei Haas aus Schwalbach-Elm.
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 18.08.2020, Länge: 02:17 Min.]
Tischlerei Haas aus Schwalbach-Elm.

Auch die Schreinereien im Saarland waren vom Corona-Lockdown betroffen, wenn auch nicht ganz so stark wie andere Branchen waren. Bei der Schreinerei Haas waren die Auftragsbücher vor der Krise eigentlich voll. Aber im Bereich Montage gab es dann einen Einbruch. Die Kunden waren unsicher: Soll ich mir noch eine Zimmertür oder die Möbel moniteren lassen? Die Firma Haas hat somit alle Monteure frei. Und dann kam die Idee mit dem Spuckschutz.

Normalerweise wird bei der Schreinerei Haas Holz verarbeitet, doch nun standen im Frühjahr Chef und Juniorchef mit Plexiglas in der Werkstatt. Zunächst wurde der Supermarkt im Ort mit Spuckschutz für die Theken ausgestattet. Raphael Haas hat schnell gemerkt, dass daraus mehr werden kann. Die Firma investierte mehrere 10.000 Euro, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste, ob sich das auch lohnen würde. Zwei bis drei Mitarbeiter konnten so in Spitzenzeiten mit der Fertigung von Spuckschutz beschäftigt werden, berichtet Juniorchef Benedikt Haas.

Plexiglas und Online-Shop

Bei der Schreinerei wurd die Krise dann noch auf eine weitere Art als Chance genutzt; nämlich um erste Erfahrungen mit einem Online-Shop zusammen. Das hatten sie schon vor der Kirse vor. Jetzt werden übers Internet Spuckschutze nach ganz Deutschland verkauft.


Die Saarbrücker Software-Firma IMC

Softwareentwickler IMC
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 20.08.2020, Länge: 03:17 Min.]
Softwareentwickler IMC

Ein Interview per Videoschalte: IMC-Vorstandschef Christian Wachter wird auf einer großen Leinwand zugeschaltet – für ein Software-Haus natürlich ein Kinderspiel. Das Saarbrücker Unternehmen ist Spezialist für digitales Lernen. Es konzipiert Angebote für Schulen, aber vor allem auch für Unternehmen. Das können, erklärt Wachter, zum Beispiel Produktschulungen oder Einzelthemen sein. Das Unternehmen entwickle Konzepte, wie Trainings, die bisher immer noch vor Ort stattgefunden haben, nun digital aussehen müssen.

Der Trend ist da: früher haben die Unternehmen ihre Mitarbeiter, zum Präsenzunterricht verdonnert: Hunderte Leute in einem Raum, eine Präsentation an der Wand mit allen Infos, zum Beispiel zum neuen Auto. Heute findet vieles online statt, virtuell und interaktiv. Manchmal sieht es aus wie eine Art Computerspiel.

Konzept fehlt häufig

In Zeiten von Corona sind solche Angebote besonders natürlich gefragt. Die Corona-Krise war und ist für IMC ein richtiger Push. Man erwartet das umsatzstärkste Jahr der Unternehmensgeschichte, so Vorstand Sven Becker. „Wir sehen die Zukunft bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.“ Das Thema Digitales Lernen rechne sich, da man mit den Trainings viele Menschen schnell erreiche.

Eine Nutzerin nimmt per Computer an einer Videokonferenz teil. (Foto: Pixabay/jagritparajuli99)
Videokonferenzen sind in der Corona-Krise wichtig geworden.

Aber auch wenn diese Entwicklung natürlich viele neue Aufträge für das Saarbrücker IT-Unternehmen verspricht, wollen Sven Becker und Christian Wachter die Euphorie etwas bremsen. Für sie hat der digitale Schub, den viele durch die Corona-Krise auch sehen, auch eine schwierige Seite: Manche Unternehmen nutzen nun Skype, Teams oder andere kostenlose Videokonferenz-Software auch für die Fortbildung. Digitales Lernen sei das aber noch nicht.

Unternehmen will aufbauen

Häufig fehlten beim Einsatz der digitalen Mittel das dazugehörige Konzept. Das berge die Gefahr, dass der Einsatz nicht von Dauer ist und man, wenn es nicht so funktioniert wie es soll, „verbrannte Erde“ generiere. Hier setzt IMC auf Nachhaltigkeit und will die Unternehmen an die Hand nehmen.

Videokonferenz bei IMC in Saarbrücken (Foto: imc AG)
Videokonferenz bei IMC in Saarbrücken

Die Technik allein reicht aus Sicht der E-Learning-Spezialisten nicht. Dazu gehört ein darauf abgestimmtes Lernkonzept. Das heißt: auch wenn die Corona-Krise für einen digitalen Schub gesorgt hat, für IMC ein richtiger Push war. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: Homeoffice, Homeschooling, virtuelle Konferenzen – all das hat sich in Windeseile etabliert. Auf dieser Basis müssen Firmen wie IMC jetzt aufbauen, um den Schwung aus der Krise mitzunehmen.  

Über dieses Thema wurde auch in den Sendungen "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 18., 20. und 22.08.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja