Ein leerer Krankenhaus-Flur (Foto: SR)

"Krankenhäuser vor dem Abgrund"

Ein Kommentar von Steffani Balle   07.09.2022 | 16:11 Uhr

Den Krankenhäusern im Land fehlen rund 100 Millionen Euro zum Ausgleich der Inflation. Diese Summe fordert die Saarländische Krankenhausgesellschaft als Soforthilfe vom Bund. Zuzüglich eines Ausgleichs für die gestiegenen Energiekosten. Eine Reaktion aus Berlin gibt es zu den Forderungen, die nicht nur für die Kliniken im Saarland gestellt werden, noch nicht. Mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Schlimm, findet SR 3-Reporterin Steffani Balle.

Krankenhäuser sind Daseinsvorsorge. Punkt. Vor knapp 20 Jahren wurden sie durch die Einführung der Fallpauschalen gezwungen, sich als Wirtschaftsunternehmen zu sehen. Der Patient wurde zur Ware, das Personal zu einer verhandelbaren Größe, die Pflege zu einer im Minutentakt abzurechnenden Belastung.

Audio

Kommentar: Krankenhäuser vor dem Abgrund
Audio [SR 3, Steffani Balle, 07.09.2022, Länge: 02:35 Min.]
Kommentar: Krankenhäuser vor dem Abgrund

Ein ruinöser Wettbewerb

Das Gerangel unter den Klinik-Trägern um die profitabelsten Leistungen war eröffnet. Und hat sie in einen ruinösen Wettbewerb geführt, wie der Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft Jakobs es ausdrückt. Und dann kam die Pandemie. Hatte schon vorher die Pflege über zu hohe Arbeitsbelastung für zu wenig Anerkennung und Geld geklagt, potenzierte sich die Belastung in den letzten 2 Jahren.

Einfach, weil der Krankenstand in utopische Höhen schoss und Pflegekräfte frustriert den Job schmissen. Ein Viertel aller Betten in den SHG-Kliniken Merzig, Völklingen und Saarbrücken stehen leer, weil das Personal fehlt. Damit fehlen auch rund ein Viertel aller Einnahmen.

Zu viele unterschiedliche Träger

So what? – Sollte man sagen können. Kann man aber nicht, weil: Krankenhäuser dienen zwar der Daseinsvorsorge, sind aber immer noch wie Wirtschaftsunternehmen dazu angehalten, ein Plus zu erwirtschaften. Oder zumindest keine Miesen zu machen. Zu viele unterschiedliche Träger im Saarland kabbeln sich um die Einnahmen von knapp einer Million potentieller Patienten.

Ob sich durch die Zusammenlegung von Kliniken Geld einsparen lässt bezweifeln aber selbst Gewerkschaften: Die Abfindungen, die dann zu zahlen wären, die soziale Abfederung der Belegschaft und der Rückbau der Gebäude würden im ersten Moment viel Geld kosten anstatt Einsparung zu bringen.

Zusammenarbeit muss die Lösung sein

Zusammenarbeit kann daher nur die Lösung heißen. Nicht alles Komplizierte nur noch in die Uniklinik, wie deren Verwaltungsspitze das diese Woche in einem Interview gefordert hatte, kann die Lösung sein. Aber: Wenn drei beieinander liegende Kliniken jeweils eine Spezialabteilung für die Behandlung von Schlaganfällen haben, wäre da bestimmt Einsparung durch Zusammenarbeit möglich.

Dafür müsste dann eben die sprechende Medizin genauso vergütet werden wie die Operierende. Dann wäre vermutlich von ganz allein bald Schluss mit Doppel- und Mehrfachstrukturen, die von Kritikern der Saarländischen Krankenhaus-Landschaft immer wieder angekreidet werden. Einfach die Krankenhäuser als Daseinsvorsorge sehen und nicht als konkurrierende Wirtschaftsunternehmen. Das wäre der Ansatz.

Mehr zum Thema

Dringende Unterstützung angemahnt
Finanzsituation der Saar-Kliniken weiter angespannt
Die Krankenhäuser im Saarland schlagen erneut Alarm: Wenn nicht schnell finanzielle Unterstützung vom Staat komme, gerate über die Hälfte aller Kliniken schon im kommenden Jahr in Schieflage.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" am 07.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja