Eine Pflegerin mit Maske im Krankenhaus (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck)

"Erlöse der Krankenhäuser nach wie vor im Keller"

Nadine Thielen im Gepräch mit Thomas Jakobs, Krankenhausgesellschaft Saarland  

Der milliardenschwere Rettungsschirm für die Kliniken ist Mitte April endgültig abgelaufen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) schlägt Alarm und fordert nun eine Soforthilfe, sonst müssten sehr bald Kliniken schließen. Dazu im SR-Interview: Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft.

Über die Hälfte der Kliniken in Deutschland stünden mit dem Rücken zur Wand, schreibt der Bundesvorsitzende der DKG Gerald Gaß in einem offenen Brief. Seine Forderung: sofortige finanzielle Hilfe für die Krankenhäuser. Diese Forderung bekräftigt im SR-Interview auch Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft.

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"Erlöse der Krankenhäuser nach wie vor im Keller"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen / Thomas Jakobs, 30.05.2022, Länge: 04:30 Min.]
"Erlöse der Krankenhäuser nach wie vor im Keller"

Forderung nach Rettungsschirm

Das Problem sei, das für die Krankenhäuser nach über zwei Jahren die Corona-Pandemie immer noch nicht vorbei sei, erklärt Jakobs. Das führe dazu, dass nach wie vor weniger Patienten behandelt würden - die Erlöse seien deshalb "nach wie vor im Keller". Hinzu kämen die aktuell enormen Preissteigerungen - von IT-Kosten, Energiekosten bis hin zur Verpflegung.

Von einem Regelbetrieb sei man noch "meilenweit entfernt". Es brauche also weiterhin einen Rettungsschirm, der diese Ausfälle kompensiere. Das würde auch den Kliniken im Saarland helfen, so Jakobs - egal ob die Hilfen vom Bund oder sogar vom Land kämen.

Man wisse zwar, dass das Saarland ein "Haushaltsnotlage-Land" sei, aber es gehe nun mal um die Versorgung von Menschen. Deshalb müsse im Zweifel auch das Land bereit sein, in die Bresche zu springen.

Ist der Bund wortbrüchig?

Vom Bund gebe es die Zusage, dass die Zusatzkosten für jede Pflegekraft, die zusätzlich benötigt werde, auch vom Bund übernommen werden. Und auch das Versprechen, dass keine Klinik wegen der Pandemie zugrunde gehe, stehe im Raum. Gerade hier sei aber zu befürchten, "dass die Politik wortbrüchig ist", so Jakobs.

Zwar gebe es diese Versprechen des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), das auch von seinem Amtsnachfolger Karl Lauterbach (SPD) damals unterstützt worden sei. Dennoch sehe man gerade, "dass die Politik sich, gelinde gesagt, nicht mehr daran erinnern kann".

Krankenkassen "nicht konstruktiv"

Bei der Finanzierung der Pflegekosten sei die Sachlage etwas anders - aber ebenso schwierig. Denn hier sei nicht der Bund zuständig, sondern die Krankenkassen. "In relativ komplizierten Verhandlungen" werde hier das Pflege-Budget festgesetzt. Aber die Krankenkassen zeigten sich "nicht konstruktiv", sagt Jakobs.

Das mache die Situation noch mal schwieriger. Bundesweit blickten nur etwa zehn Prozent der Krankenhäuser positiv in die Zukunft, bei 90 Prozent sei die Lage prekär.

Reformierung der Krankenhausfinanzierung?

Hilferufe aus den Kliniken an die Bundespolitik gibt es seit Monaten. Für Jakob ist das Problem ein grundsätzliches. Es brauche eine gesetzliche Reformierung der gesamten Krankenhausfinanzierung. Das sei von der Bundespolitik auch in Aussicht gestellt.

Man hoffe nun, dass diese auch zügig von statten gehe. Auf jeden Fall müsse man aber mit zwei bis drei Jahren rechnen, bis eine solche Reform verabschiedet werde. Für die Zwischenzeit benötige man daher unbürokratische Soforthilfen.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 30.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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