Kommentar: "Ein Fonds könnte ein Weg sein"

Alles im Fluss: die Wasserpreise im Saarland

Der Kommentar

Volker Roth   25.01.2019 | 16:15 Uhr

In den saarländischen Kommunen weichen die Wasserspreise stark voneinander ab. Das hat auch mit der kleinteiligen Struktur zu tun. Doch die Organisation der Wasserversorgung ist nicht das einzige Problem: Es herrscht Sanierungsstau. Dazu ein Kommentar des SR-Rechercheteam-Leiters Volker Roth.

Dossier
Der SR-Wasserpreis-Vergleich
Wie setzt sich der Wasserpreis zusammen? Wieviel müssen die Bürger in den einzelnen Städten und Gemeinden im Saarland zahlen? Und wieso sind die Preise so unterschiedlich?

Eigentlich brauchen wir uns im Saarland über das Wasser kaum Sorgen zu machen: Es kommt bequem aus dem Hahn, ist reichlich vorhanden und die Qualität ist sehr gut, weil wir überwiegend Tiefenwasser nutzen.

Doch hier fängt schon das „Aber“ an: Immer mehr Schadstoffe belasten das Abwasser, sie sind glücklicherweise noch nicht bis in die tieferen Schichten vorgedrungen. Doch das ist nur eine Frage der Zeit, wenn es nicht gelingt, unsere Kläranlagen rechtzeitig nachzurüsten, etwa gegen antibiotika-resistente Keime.

Und dann ist da die Frage der Kanalsanierung: In Städten und Gemeinden wurde dieses kostspielige Thema oft hinten angestellt, mit dem Ergebnis, dass das Saarland einen riesigen Investitions-Stau aufweist. Das ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich, was wiederum zum Teil die starken Preisunterschiede erklärt. Aber eben nur zum Teil.

Dass die Rechnung für Wasser und Abwasser in Gersheim so hoch ausfällt und in Riegelsberg so günstig, hat auch mit der Struktur zu tun: 40 Wasserversorger kümmern sich im kleinen Saarland allein ums Trinkwasser. Fast jede Gemeinde hat ihren eigenen Betrieb dafür. Dazu kommt noch der Entsorgungsverband für das Abwasser. Vor Jahren hat der damalige Umweltminister Mörsdorf mal versucht, die kleinteilige Struktur aufzubrechen. Aber es blieb beim Versuch.

Dabei müssen es nicht immer große Wasserversorger sein, und schon gar keine Privat-Unternehmen – denn die wollen Gewinne machen. Aber die Zusammenarbeit könnte besser funktionieren. Einzelne Beispiele gibt es, im Kreis St. Wendel etwa oder mit dem Wasserzweckverband Ostsaar, der Ottweiler, Eppelborn,  Illingen und weitere Teile von Gemeinden im Landkreis Neunkirchen versorgt. Solche Zusammenschlüsse – oder zumindest eine Kooperation – helfen, die Preise im Zaum zu halten. Denn es muss nicht jede Gemeinde einen Spezialisten für alle Probleme vorhalten; ein gemeinsamer Einkauf und eine gemeinsame Planung von Sanierungen spart Geld. Und teure Geräte können in mehreren Gemeinden eingesetzt werden.

Es ist schon bezeichnend und blamabel, dass niemand im Land weiß, wie hoch der Sanierungsbedarf genau ist. Das Umweltministerium bemüht sich um Zahlen, aber die Kommunen liefern nicht, weil sie nicht können oder wollen. Das ist absurd: Auf der einen Seite schreien und klagen die Gemeinden, weil sie unter einer chronischen Finanznot leiden, auf der anderen Seite wissen sie nicht einmal, wie viel Geld sie für die Sanierung von Kanälen und Leitungen brauchen.

Hier ist der Umweltminister gefordert. Es muss doch möglich sein, für klare, arbeitsfähige Strukturen zu sorgen – und dann die nötigen Investitionen auf den Weg zu bringen. Ein Fonds, vergleichbar der gerade beschlossenen Saarland-Kasse, könnte ein Weg sein. Denn sonst wird es in einigen Jahren womöglich wirklich kritisch für unser Grundwasser – und marode Abwasserkanäle halten dann Reparatur-Trupps auf Trab.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 25.01.2019 auf SR 3 Saarlandwelle