Kommentar: "Mir ist das alles viel zu light"

"Mir ist das alles viel zu light"

Ein Kommentar von Thomas Gerber   26.11.2020 | 12:30 Uhr

Die Corona-Beschränkungen werden auf Beschluss von Regierungschefs und Kanzlerin Merkel zunächst bis zum 20. Dezember verlängert - und zwar mit schärferen Kontaktbeschränkungen. Trotzdem sind sie noch immer viel zu lasch - findet SR-Redakteur Thomas Gerber in seinem Kommentar.

Verschärfte Kontaktbeschränkung
Corona-Maßnahmen werden erwartungsgemäß verlängert
Die Corona-Maßnahmen werden bundesweit mindestens bis 20. Dezember verlängert. In einer stundenlangen Videokonferenz einigten sich Ministerpräsidenten und Kanzlerin Merkel zudem auf härtere Kontaktbeschränkungen und eine Ausweitung der Maskenpflicht.

Ehrlich - mir ist das alles viel zu light. Haben uns die bisherigen Maßnahmen doch gezeigt, dass sie allenfalls geeignet sind, die Pandemie auf hohem Niveau zu stablisieren. Angesichts von Covid-19-Ausbrüchen in Alten- und Seniorenheimen, von steigenden Zahlen auf den Intensivstationen und Coronatoten, müssen wir voll in die Eisen gehen.

Solange es keinen Impfstoff gibt, ist dem Virus nur beizukommen, wenn wir ihm die Wirtstiere nehmen. Das wiederum heißt: strikte Kontaktbeschränkungen. Drei Viertel der Infektionen sind nicht mehr nachverfolgbar und das bedeutet auch, dass Schulen und Kitas als Infektionsherde ebenso in Frage kommen wie Coronapartys.

Das Geeiere um Hybrid-Unterricht, um Quadratmeterzahlen pro Kunde, um Maske auch im öffentlichen Raum, um körpernahe Dienstleistungen, Silvesterböller und private Treffen von zwei oder mehr Haushalten - für mich ist es unverantwortlich. 70 Prozent Kontaktminimierung lautet die Ansage der Wissenschaft, um wieder vor die Zweite Welle zu kommen. Geschafft haben wir bisher gerade einmal 40 Prozent. Mehr als 400 Coronatote täglch sind die Quittung dafür.

Andere machen es uns vor. Ja, in Südostasien herrscht eine andere Denke. Aber was hat uns beispielsweise die Millionen schwere Corona-App gebracht? Allenfalls ein Placebo wenn sie am Abend grün aufleuchtet. Die Infektionsketten sind aus dem Ruder gelaufen. Brauche ich Datenschutz, wenn ich an der künstlichen Lunge hänge?

Ich bin für einen harten Lockdown, der allerdings demokratisch kontrolliert und parlamentarisch legitimiert werden muss. Und zwar, bevor das Küchenkabinett von Kanzlerin und LänderchefInnen entscheidet. Nur dann werden die Maßnahmen akzeptiert, machen die Menschen mit, ändern ihr persönliches Verhalten, minimieren ihre Kontakte. Halten wir uns beim Kampf gegen das Virus an die demokratischen Spielregeln und machen ihn nachvollziehbar, können wir ihn auch gewinnen. Nicht nur Corona, sondern auch die Aluhüte könnnen dann einpacken.

Auch wenn die es leugnen: Mehr als 15.000 Menschen sind in Deutschland an oder mit Covid19 gestorben. Das entspricht der kompletten Bevölkerung von Ottweiler, Wadern oder Riegelsberg und täglich kommen ganze Straßenzüge dazu. Die Katastrophe muss klar benannt werden. Die Zeit der salbungsvollen Worte ist vorbei. Das Weihnachtsfest mit den Liebsten fällt sonst nämlich aus, weil die Liebsten nicht mehr da sind.

Ein Kommentar von Thomas Gerber in der "Region am Mittag" am 26.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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