Kommentar: "Eine ehrliche Aufarbeitung wäre nötig"

"Eine ehrliche Aufarbeitung wäre nötig"

Thomas Gerber   10.09.2021 | 12:30 Uhr

Wurden bei Reparaturarbeiten in der Polizeiinspektion Lebach Anfang des Jahres krebserregende Asbestfasern freigesetzt? Viele Bedienstete hatten sich über Gesundheitsbeschwerden beklagt. Die Sanierungsarbeiten wurden ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt, obwohl ein Gutachten vor Asbest gewarnt hatte. Verantwortung für die Vorgänge will keiner übernehmen - unverantwortlich findet das SR-Reporter Thomas Gerber in seinem Kommentar.

Mieter und Vermieter - das sind letztlich wir Steuerzahler, das ist jeweils die "öffentliche Hand". Und die liefert sich ein unwürdiges Schwarzer-Peter-Spiel. Für eine geplante Umbaumaßnahme, einen neuen Einsatzleittisch, hatte das Ministerium Bouillon vor zwei Jahren ein Schadstoffgutachten in Auftrag gegeben.

Die Experten entdeckten unter anderem Asbest in den Böden, forderten bei einer Sanierung Atemschutz, Absaugvorrichtungen, Unterdruck und Sondermüllentsorgung. Der Einsatzleittisch wurde schließlich nicht erneuert - das vom Steuerzahler finanzierte Gutachten landete in der Schublade des Ministeriums. Allein das ist schon ein Skandal!

Denn natürlich hätte Bouillon die brisante Expertise an die Stadt weitergeben müssen. Von einer öffentlichen Hand in die andere. Es war Gefahr im Verzug - denn in dem Gebäudekomplex sitzen schließlich auch die Bediensteten der Stadt. Und dass die mal kleinere Sanierungsarbeiten in ihren Räumen durchführt, ist angesichts des Zustands des Gebäudes fast schon wahrscheinlich.

Bouillon versucht nun, sich rauszureden. Bei einem Gespräch mit Vertretern der Stadt habe der Schadstoffverdacht Anfang 2019 bereits auf der Tagesordnung gestanden. Allerdings: In dem Protokoll zu dem Treffen taucht der Punkt gar nicht mehr auf. Statt wenig später nach Vorliegen des Gutachtens Alarm zu schlagen, ließ man den Vermieter weiter im Dunkeln tappen.

Selbst als dann im Februar dieses Jahres die Böden in der Polizeiinspektion nach einem Wasserschaden abgeschliffen und reichlich Staub aufgewirbelt wurde, blieb das Gutachten da, wo es seit zwei Jahren lag: in der Schublade.

Hat sich das Ministerium Bouillon für die Kollegen in Lebach nicht interessiert? Haben die Ressorts Innen und Bauen im Superministerium nicht miteinander gesprochen? Ganz offensichtlich - und diese eigene Fehlleistung will das Ministerium nun der Stadt in die Schuhe schieben.

Messungen wegen Gesundheitsbeschwerden
Keine Schadstoff-Funde in Polizeiinspektion Lebach

Hätte die nachgefragt, hätte sie das Gutachten bekommen - hätte, hätte ... Ganz am Rande geht es auch noch um viel Geld. Schmerzensgeldforderungen stehen im Raum. Immerhin ein arbeitsmedizinisches Monitoring hat Bouillon den betroffenen und teils verängstigten Beamten in Lebach zugesagt. Eilig wurden Messungen durchgeführt. Monate nach dem Abschleifen der Böden wurden natürlich keine Asbestfasern mehr gefunden. Den Betroffenen hilft das nicht weiter.

Eine ehrliche Aufarbeitung wäre nötig. Fehler einräumen - das aber ist nicht das Ding des besten Polizeiministers aller Zeiten. Stattdessen spielen Stadt und Ministerium weiter Pingpong, keiner übernimmt Verantwortung - das ist schlichtweg unverantwortlich!

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 10.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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