SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Jetzt schon das Scheitern heraufzubeschwören, hilft auch nicht weiter."

Stephan Deppen   05.10.2021 | 16:20 Uhr

Die ersten Tablets für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 3 werden ausgegeben. Bis zum Schuljahr 2022/23 sollen alle Kinder und das Lehrpersonal ausgestattet sein. Ein ehrgeiziges Ziel - das die CDU im Land jetzt zum Anlass nimmt, den Plan zu kritisieren. Dazu ein Kommentar von SR-Reporter Stephan Deppen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Mit anderen Worten: die CDU im Land hat in den Wahlkampfmodus geschaltet. Kein Wunder: Bei den großen Verlusten bei der Bundestagswahl ist es ja nur klug, sich beizeiten darauf einzustellen, dass ein möglicher Wahlsieg kein Selbstläufer wird.

CDU im Wahlkampfmodus

Kommentar: "Jetzt schon das Scheitern heraufzubeschwören, hilft auch nicht weiter."
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 06.10.2021, Länge: 02:32 Min.]
Kommentar: "Jetzt schon das Scheitern heraufzubeschwören, hilft auch nicht weiter."

Und was taugt da am Besten für einen emotionalen und kontroversen Wahlkampfauftritt? Die Bildungspolitik. So ziemlich das einzige Politikfeld, auf dem sich die Bundesländer austoben können. Nicht immer zum Vorteil derer, die lernen und lehren. Es dürften sich aber doch wohl alle einig sein, dass es nur gut ist, wenn die Bundes- und Landesinitiativen für bessere digitale Möglichkeiten in den Schulen jetzt in die konkrete Umsetzung münden.

Klar ist das Ziel von Bildungsministerin Streichert-Clivot ehrgeizig. Aber jetzt schon das Scheitern heraufzubeschwören, hilft auch nicht weiter. Wenn jetzt die inhaltlichen und technischen Dinge geklärt sind, geht es "nur" noch um die organisatorischen. Das sollte doch zu machen sein, wenn in Zeiten von Pandemie und Chipmangel auf dem Tablet- Markt 100.000 Geräte eingekauft werden können. Über 100 Millionen stehen im Saarland in den nächsten Jahren für die digitale Aufrüstung der Schulen zur Verfügung - auf geht's!

Geräte nicht vom Land versichert
Eltern haften für Schüler-Tablets

Und nebenbei bemerkt: Dass diejenigen, die die Dinger benutzen, dafür auch haften, halte ich für selbstverständlich - ist bei Handy oder Auto auch nicht anders. Zurück zur CDU: sie bemängelt den fehlenden "roten Faden" für das Corona- Aufbauprogramm an den Schulen. Den aber gibt es. Nur ist das nicht das eine dicke Seil, um im Bild zu bleiben, an das sich Schulen hängen können, sondern ein Seil mit ganz vielen Fransen und Enden. Kurz: ein breites Spektrum von sozialen Kursen bis inhaltlicher Nachhilfe.

Das sollte erfahrenen Pädagogen reichen, um für die Kinder, die sie im Unterricht vor sich haben, das Passende auszuwählen. Da könnte eher der Mangel an Lehr- und sozialen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt limitierend wirken.

Womit wir wieder bei der CDU wären. Bis zum Beginn der Pandemie war es wirklich mühsam, innerhalb der Regierung von SPD und CDU der CDU Geld für zusätzliche Stellen in Schule und Sozialarbeit abzuringen. Das hat sich etwas gebessert. Aber Versäumnisse der Vergangenheit lassen sich nicht auf Knopfdruck ausgleichen.

Die wieder einmal öffentlichkeitswirksam vorgetragene Kritik der CDU an der Bildungsministerin hat aber auch ihr Gutes: bei all dem, was die CDU möchte und jetzt vermisst, dürfen wir Wählerinnen und Wähler gespannt sein, mit wieviel zusätzlichem Geld die CDU die Schulen künftig besser stellen möchte. Oder ob es nur Wahlkampfgetöse ist...

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 06.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja