Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Vielleicht brauchen große Krisen ja Große Koalitionen"

Kommentar von Thomas Gerber   04.10.2019 | 08:28 Uhr

Die angekündigten Jobverluste in der saarländischen Stahlindustrie waren auch am Tag der deutschen Einheit das beherrschende Thema im Saarland. Ministerpräsident Tobias Hans nutzte die Einheitsfeiern in Kiel, um Gespräche mit Kanzlerin Merkel und seinen Kollegen aus Bundesländern zu führen, die auch Stahlindustrie haben. Hans' Ziel: eine Art Stahlallianz der Betroffenen. In einem Brief an Merkel fordert Hans zudem Milliardenhilfen zum Aufbau einer "klimaneutralen" Stahlindustrie. Mitte der Woche hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf solche Forderungen noch mehr als säuerlich reagiert. Ein Kommentar von Thomas Gerber.

Audio

"Vielleicht brauchen große Krisen ja Große Koalitionen"
Audio [SR 3, Kommentar von Thomas Gerber, 04.10.2019, Länge: 01:41 Min.]
"Vielleicht brauchen große Krisen ja Große Koalitionen"

Ministerpräsident Hans hat Recht. Stahl ist Teil der saarländischen DNA. Nur: Obgleich sich das Desaster zum Gutteil in seinem Wahlkreis abspielt, Wirtschaftsminister Altmaier scheint anders veranlagt. Seit Wochen steht er bundesweit in der Kritik, gilt nicht gerade als Lichtgestalt des Kabinetts Merkel und hat zudem eine Lobbyaffäre wegen des Arzneimittelimporteurs Kohlpharma an der Backe.

Wirtschaftsminister Altmaier dünnhäutig

Im SR3 Interview holte er zum Gegenschlag aus. Der Brandbrief, in dem Saar-Kollegin Rehlinger Milliarden angeblich exklusiv für den Saarstahl öffentlich fordere, schade der Sache, polterte er äußerst dünnhäutig. Das klingt nicht nur fast schon wie ein Plädoyer für Mauschelei, sondern steht so da auch gar nicht drin.

Es geht vielmehr um den Aufbau einer klimaneutralen gesamtdeutschen Stahlindustrie, von der, lieber Herr Altmaier, die in Ihrem Wahlkreis nur ein Teil ist und vielleicht zum Pilotprojekt taugen könnte. Mit dem Versuch, den Brief in die parteipolitische Ecke zu stellen, sind Sie nun endgültig gescheitert. Denn erstens ging er auch, wie von Ihnen überlesen, an den SPD-Kollegen Finanzminister Scholz und zweitens hat CDU-Freund Hans nun nahezu gleichlautend an Ihre Chefin geschrieben. Das ist gut so.

Modell Saarland für klimaneutralen Stahl

Ich bin zwar alles andere als ein Freund von Großen Mehltau-Koalitionen. Aber aktuell scheint die Arbeitsteilung Hans-Rehlinger zu funktionieren. Vielleicht brauchen große Krisen ja tatsächlich Große Koalitionen. Die Krise als Chance begreifen, das ist zwar abgedroschen - aber das Saarland zum Modell für klimaneutrales Stahlkochen zu machen, dieser Ansatz hat Zukunft und muss endlich ernsthaft auch auf die politische Agenda!

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 04.10.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja