Kommentar zu ÖPNV im Saarland: "Ein Trauerspiel"

ÖPNV im Saarland: "Ein Trauerspiel"

Ein Kommentar von Stephan Deppen   01.10.2018 | 12:25 Uhr

Viel ist am ersten Geltungstag des angepassten Busfahrplans für Saarbrücken nicht passiert. Der gilt längstens bis Ende Januar. Lieber weniger Busse einsetzen und die dann zuverlässig fahren lassen -so das Motto der zuständigen Saarbahn GmbH als Reaktion auf die Ausfälle der vergangenen Monate. SR 3-Reporter Stephan Deppen kommentiert.

Seit dem 1. Oktober gilt für Busse im Großraum Saarbrücken der angepasste Fahrplan - kein Notfahrplan, wie das Unternehmen betont. Obwohl er natürlich genau das ist: ein Fahrplan aus der Not heraus entstanden, weil die Saarbahn GmbH nicht genügend Fahrer hat, um alle eigenen Linien plus Ausfälle von Subunternehmen zu bedienen.

Auch bei anderen Verkehrsbetrieben hatte es in den letzten Wochen Ausfälle gegeben. So weit, so schlecht. Doch jetzt allein auf die Saarbahn zu schimpfen, bringt nichts. Der Markt für Busfahrer ist leergefegt.

Der Knackpunkt liegt in den geteilten Diensten

Dabei sind die Bedingungen bei der Saarbahn vergleichsweise gut. Viele Fahrer haben in den letzten Wochen private Busunternehmen verlassen und bei der Saarbahn angeheuert. Weil dort die besseren Arbeitsbedingungen herrschen.

Der Knackpunkt liegt in den geteilten Diensten. Es gibt Fahrer, die sind zwölf, 13 Stunden von zuhause weg, fahren aber nur sechs Stunden. Das ist nicht zumutbar und gehörte abgestellt.

Politik ist gefragt

Hier wäre die Politik gefragt - wie überhaupt bei der Organisation des ÖPNV im Land. Aber aus dem Fond der geleasten Oberklasselimousine lässt sich trefflich über Verbesserungen im Klein-Klein der Wabenstruktur philosophieren.

Wochenlang fallen überall im Land Busse aus, verpassen Kinder ihren Unterricht und Beschäftigte ihren Arbeitsbeginn, ohne dass es die, die etwas ändern könnten, zu kümmern schien, weil sie es ja nicht persönlich erleben.

Nein: die Große Koalition hat mit der Überarbeitung des ÖPNV-Gesetztes verzagt an Schräubchen gedreht, anstatt mutig die ganze Konstruktion zu überarbeiten. Jetzt werben kommunale private Busunternehmen die Fahrer ab und die Fahrgäste müssen schauen, wie sie zurechtkommen. Beförderungsentgelte, im Volksmund auch Fahrpreise genannt, können nicht vom einzelnen Unternehmen, sondern nur gemeinsam im Saar VV angepasst werden, wie auch Korrekturen bei der App fürs Mobiltelefon.

Und das kann dauern bei der Vielzahl der Beteiligten. Immerhin: beim Notfahrplan mag es unglückliche Veränderungen geben, aber die Verantwortlichen haben sich bemüht, die negativen Folgen so gering wie möglich zu halten, haben nicht nach der „Rasenmähermethode“ gekürzt. Ein Trauerspiel bleibt der ÖPNV im Autoland Saarland trotzdem.

Hintergrund

Saarbrücken
Saarbahn streicht mehrere Busverbindungen
Die Busse der Saarbahn GmbH sollen zuverlässiger fahren. Deshalb gilt von heute an ein neuer, zeitlich befristeter Fahrplan. Damit reagiert das Unternehmen auf die Busausfälle der vergangenen Wochen. Der Grund: Personalmangel. Deshalb werden bei mehreren Linien einige Fahrten gestrichen. Hier erfahren Sie, welche Linien betroffen sind.

Ein Thema in der "Region am Mittag" vom 01.10.2018 auf SR 3 Saarlandwelle.

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