Steffani Balle (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Ehrliche Worte wären vor Jahren nötig gewesen"

Ein Kommentar von Steffani Balle   07.03.2020 | 12:15 Uhr

Das Krankenhaus Lebach schließt. Diese Meldung kam am Freitag überraschend aus Politikkreisen, gegen Abend schließlich hat der Träger CTT (Cusanus Trägergesellschaft) das bestätigt. Sanierungsstau und immer strengere Auflagen aus Berlin seien der Grund für den Entschluss, erklärt die Geschäftsleitung. Unter diesen Bedingungen könne eine kleine Klinik nicht existieren – Ein Schlag ins Kontor für Politik und Patienten, kommentiert SR-Reporterin Steffani Balle.

"Ehrliche Worte wären vor Jahren nötig gewesen"
Audio [SR 3, Steffani Balle, 07.03.2020, Länge: 02:41 Min.]
"Ehrliche Worte wären vor Jahren nötig gewesen"

Wäre die CTT doch ehrlich gewesen! – Anstatt immer wieder und erst vor wenigen Wochen noch zu versichern: Ja, wir sind auf einem guten Weg, den Standort Lebach zu sichern, wären ehrliche Worte schon vor Jahren nötig gewesen. Die Krankenhäuser im Land haben einen Sanierungsstau. Die Saarländische Krankenhausgesellschaft beziffert den auf 800 Millionen Euro, und auch das nicht erst seit gestern. Das Land verteilt rund 300 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. Mehr ist nicht drin, betont die Ministerin. Da sind weitere Hiobs- Botschaften aus der Klinik-Landschaft vorprogrammiert

Vorgaben schwer umzusetzen

Die Vorgaben aus Berlin werden für die Kliniken immer schwieriger zu händeln: Personaluntergrenzen, Fallpauschalen, überbordende Bürokratie und die Vorgabe, wie viele OPs durchgeführt werden müssen, um sie weiterhin anbieten zu können, all das sind Vorgaben, die laut mehreren Gutachten nur Krankenhäuser mit 300 oder mehr Betten stemmen können. Lebach hat 183, die rechnerisch nur zur Hälfte belegt sind.

Möglicherweise schon baldige Umsetzung
Krankenhaus Lebach wird geschlossen

Da zeigt sich die nächste Krux: Patienten wollen vor Ort versorgt werden, aber wenn eine komplizierte und für die Kliniken Gewinn bringende OP ansteht, dann sucht man sich lieber einen Spezialisten aus und fährt dafür auch weite Strecken. Die teure, aber wenig einbringende Notversorgung, das Eingipsen von gebrochenen Armen und Beinen, das schnelle Operieren eines entzündeten Blinddarms, das soll bitte am Wohnort erfolgen.

So wollen es auch die Bürgermeister. Ein Krankenhaus vor Ort ist ein Wirtschaftsfaktor und ein Zugpferd für Neubürger. Macht das örtliche Krankenhaus dicht wird das nicht selten der Politik vor Ort angekreidet.

Berechtigte Kritik

Gesundheitsvorsorge ist Aufgabe des Staates. Das dürfte eigentlich weder in private Hände gelegt noch einer Gewinn-Optimierung ausgesetzt sein.

Auch wenn die CTT aus der Not heraus die Reißleine gezogen hat: Hätten sich vor Jahren schon die Krankenhausträger im Land an einen Tisch gesetzt und die Kliniklandschaft im Saarland ordentlich und gemeinschaftlich neu strukturiert, blieben uns böse Überraschungen wie die aus Lebach erspart. Dann könnte das Steuergeld, das für die Sanierung leistungsfähiger Kliniken im Land gedacht ist, sinnvoll investiert werden.

So ist es ein Stochern im Nebel und die Ministerin muss sich mit Recht die Kritik gefallen lassen, dass der Krankenhausplan nicht das Papier wert ist auf dem er geschrieben steht.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-"Region am Mittag" am 07.03.2020 berichtet.

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