Tobias Hans (Foto: SR Fernsehen)

"Hans im Glück"

Stephan Deppen   13.11.2020 | 16:30 Uhr

Mehr als zwei Drittel der Saarländer sind mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Könnten die Saarländer ihren Ministerpräsidenten oder die Ministerpräsidentin direkt wählen, hätte Amtsinhaber Tobias Hans (CDU) eindeutig die Nase vorn. Also alles richtig gemacht? Dazu ein Kommentar von Stephan Deppen.

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Kommentar: "Wer jeden Tag sein eigenes Tun bewirbt, erzielt auch positive Akzeptanz-Werte"
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 13.11.2020, Länge: 02:28 Min.]
Kommentar: "Wer jeden Tag sein eigenes Tun bewirbt, erzielt auch positive Akzeptanz-Werte"
Ein Kommentar von Stephan Deppen.

Bravo, Tobias Hans. Offenbar hat der Ministerpräsident des Saarlandes alles richtig gemacht in seiner kurzen Amtszeit. Jedenfalls sieht der aktuelle Saarlandtrend den Ministerpräsidenten deutlich vor SPD-Chefin Rehlinger. Und auch die CDU bleibt deutlich vorn. Aber: Umfragen sind keine Wahlergebnisse.

Auf einen Blick
Der Saarlandtrend 2020
Infratest dimap hat im Auftrag des Saarländischen Rundfunks 1000 Saarländerinnen und Saarländer zu unterschiedlichen politischen Themen und der Corona-Krise befragt. Alle Ergebnisse finden Sie hier.

Und die aktuelle Stimmung im Land ist vor allem durch die Corona-Pandemie und den Kampf gegen die Folgen dieser Pandemie bestimmt. Die Regierung bekommt für diese Arbeit gute Noten, die Maßnahmen werden ganz überwiegend als zumindest angemessen bezeichnet. Aber das verwundert nicht: In Krisenzeiten genießen die Regierenden einen Akzeptanz-Vorsprung, die Arbeit wird sogar von Anhängern der Opposition gewürdigt. Kein Wunder: Wer jeden Tag in sozialen Medien und Talkshows sein eigenes Tun bewirbt, erzielt auch positive Akzeptanz-Werte. Und das war in den letzten Monaten eigentlich nur einer: der Ministerpräsident.

Seine Vize, Wirtschaftsministerin Rehlinger von der SPD, war eher für die wirtschaftlichen Notrufe zuständig, CDU-Ministerpräsident Hans dagegen für die Auftritte, die den Ruf des souveränen Krisenmanagers untermauern sollten. Vordergründig mit gutem Umfrage-Ergebnis für ihn selbst. Aber sonst?

Im Frühjahr hat es Hans zugelassen, dass sein Innenminister mit seiner Grenzpolitik viel grenzüberschreitendes Porzellan zerschlagen hat -  unsere saarländische Gesundheitsministerin plus Staatssekretär sind seit Wochen komplett auf Tauchstation während der Bundesgesundheitsminister rund um die Uhr die Bevölkerung über die Pandemie auf dem Laufenden hält.

Überdurchschnittlich viele Corona-Todesopfer in saarländischen Alten- und Pflegeeinrichtungen, eine immer noch überdurchschnittliche Sieben-Tage-Inzidenz - so wirklich gut steht das Saarland in der Pandemie nicht da. Gerichtsentscheidungen gegen die einschlägigen Verordnungen haben das Regierungshandeln ein ums andere Mal kritisch begleitet. Bis hin zum Verfassungsgerichtshof, dessen Veto nur zögerlich vom Ministerpräsidenten akzeptiert worden war.

Überhaupt hat Ministerpräsident Hans abseits von Eigenwerbung in sozialen Medien und Auftritten in Talkshows mitunter keine gute Figur abgegeben: öffentlich gegen ein Beherbergungsverbot argumentieren, obwohl es im Saarland seit Monaten gegolten hatte? Den Saarländerinnen und Saarländern zum Verzicht auf Reisen raten und dann selbst die Abgeschiedenheit einer Nordsee-Insel genießen? Das passt nicht zu einem Landesvater. Ein solcher wäre der Ministerpräsident inzwischen wohl gern. Bisher aber ist er allenfalls ein Landesvater-Darsteller.

Ein Kommentar von Stephan Deppen

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 13.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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