SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Rückkehr zum Regelbetrieb ist richtig

Stephan Deppen   17.06.2020 | 12:32 Uhr

Nach den Sommerferien soll der Regelbetrieb in saarländischen Schulen wieder beginnen. Richtig oder riskant angesichts der ja noch nicht überwundenen Corona-Pandemie? Ein Kommentar von SR-Reporter Stephan Deppen.

Kommentar: Rückkehr zum Regelbetrieb ist richtig
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 17.06.2020, Länge: 03:04 Min.]
Kommentar: Rückkehr zum Regelbetrieb ist richtig

Die Entscheidung, nach den Sommerferien wieder in den schulischen Regelbetrieb zurückzukehren, ist richtig. Polemisch begründet: Wenn seit Anfang Mai Wettbüros und Spielhallen wieder öffnen dürfen, wenn jetzt wieder Urlaubsreisen per Flugzeug möglich sind, dann kann man Kindern nicht länger die Schul- und Spielkameraden entziehen.

Sachlich begründet: Die Schulschließungen verbunden mit Online-Unterricht war eine angemessene Reaktion, um den Corona-Beschränkungen gerecht zu werden. Das ist offensichtlich gelungen. Die teilweise Öffnung der Schulen hat in den letzten Wochen zu keinen weiteren Verwerfungen geführt. Insofern ist es konsequent, wieder in den Regelbetrieb zu wechseln.

Regelbetrieb, aber kein Normalbetrieb

Wobei Regelbetrieb nicht zu verwechseln ist mit Normalbetrieb. Denn im herkömmlichen Sinne normal wird der Schulbetrieb auch nach den Ferien noch nicht sein. Regelbetrieb heißt zunächst nur: Alle sind wieder in der Schule. Maskenpflicht und Abstandsregeln sollen nicht mehr gelten - das ist pragmatisch gedacht, birgt aber Gefahren. Nur: in den letzten Wochen mit beiden Vorsichtsmaßnahmen mussten sich viele Schülerinnen und Schüler nach dem Unterricht ohne Abstand in enge Schulbusse quetschen, ohne dass es zu großflächigen Infektionen gekommen ist.

Geschlossene Lerngruppen sollen dafür sorgen, dass nicht jede oder jeder mit allen anderen in Kontakt kommt. Das ist neu und das alles zu organisieren ist jetzt Aufgabe aller Beteiligten. Die Zeit bis zum Ende der Sommerferien reicht – aber sie muss auch genutzt werden.

Keine Blaupause

Ganz wichtig wird sein, bei jedem aufkommenden Verdachtsfall konsequent zu testen: die Tests sind verfügbar, die Laborkapazität auch. Wer das bezahlt, ist zweitrangig, da darf nicht am falschen Ende gespart werden. „Testen in kurzen Abständen“ muss die klare Ansage lauten.

Klar ist: Es gibt keine Blaupause für die Rückkehr zum Regelbetrieb. Aber es gibt auch keine Alternative. Die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen muss die Richtschnur sein. Gesundheit bedeutet aber mehr als die Abwesenheit von Corona. Dazu gehören auch ausreichende Bewegung, soziale Interaktion – und im Einzelfall auch der Schutz vor körperlicher oder psychischer Gewalt.

Zeit der Ungewissheit muss enden

Deshalb ist es allerhöchste Zeit, dass alle Kinder wieder in die Schulen und Kindergärten zurück können. Sie müssen ihre Spiel-und Schulkameraden wiedersehen, sich austauschen, von- und miteinander lernen und spielen können. Und auch für die Eltern muss diese Zeit der organisatorischen Ungewissheit und psychischen Belastung zu Ende gehen.

Die vergangenen Monate haben ohnehin dazu geführt, dass der Regelbetrieb auch für die Kinder und Jugendlichen nicht gleich der Normalbetrieb sein wird. Die Zeit der Distanz und Vorsicht hat Spuren hinterlassen. Viele werden vielleicht den Mundschutz weiter tragen, auch wenn er nicht mehr vorgeschrieben ist. Es wird für alle ein vorsichtiges Herantasten an das sein, was uns vor Corona normal erschien.

Lehrer sind gefragt

Das schließt den fachlichen Teil mit ein. Insofern ist es sinnvoll, die Lehrpläne so zu belassen, wie sie sind – und zu Beginn des Schuljahres zu schauen, wer wo steht und entsprechend anzusetzen. Hier sind die Lehrer als Pädagogen gefragt. Das braucht Zeit und Raum. Beides fordern die Lehrerverbände schon lange. Und zumindest personell hat die Ministerin ja Unterstützung versprochen. Bleibt zu hoffen, dass die auf dem Arbeitsmarkt verfügbar ist und dann auch als dauerhafte Verstärkung im Schuldienst bleibt.

Unterm Strich geht die Ministerin den einzig möglichen und damit auch richtigen Weg. Die Risiken für eine Ansteckung  auf diesem Weg müssen aber so niedrig wie möglich sein. Dann kann der Wiedereinstieg gelingen. Eine Garantie darauf gibt es in Corona-Zeiten nicht. Wir alle können aber mit unserem Verhalten dazu beitragen, die Chancen zu erhöhen.

Informationen zum Thema

Details zu Schul-Regelbetrieb
Keine Maskenpflicht nach den Sommerferien
Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot hat Einzelheiten zum geplanten Schul-Regelbetrieb nach den Sommerferien vorgestellt. Demnach wird es im neuen Schuljahr keine Maskenpflicht geben.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 17.06.2020 berichtet.

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