Kommentar: "Totgesagte leben länger"

"Totgesagte leben länger"

Lisa Huth   28.06.2021 | 12:15 Uhr

Frankreich hat gewählt. Das heißt, nicht ganz Frankreich, sondern nur die Wähler, die sich in Wählerlisten haben eintragen lassen - und von denen auch nur 30 bis 35 Prozent. Es ging eigentlich um zwei Wahlen: für die Regionen und die Départements. Dabei erschienen überraschenderweise rechts und links der Regierungspartei von Präsident Macron politische Kräfte wieder, die eigentlich in der Versenkung verschwunden waren. Dazu ein Kommentar von SR-Frankreichexpertin Lisa Huth.

Vernichtend hatte Präsident Macron sie mit einer aus dem Nichts gestampften Partei „La République en Marche“ (LaRem) geschlagen: Vor vier Jahren waren die Konservativ-Liberal-Bürgerlichen und die Sozialisten mit einem Schlag in der Versenkung verschwunden. Keine richtige Führung! Keine Themen!

Nun ging es für Macron darum, seine Partei im Land zu verankern. Er brauchte eine Hausmacht – nicht nur in Paris, sondern überall im Land.

Bei den Bürgermeisterwahlen voriges Jahr: Fehlanzeige. Gut, kann man sagen, Kommunalwahlen sind Personenwahlen.

Jetzt: die Départements und die Regionen. „Ferner Liefen“ ist noch freundlich gesagt für die Präsidentenpartei LaRem. Dabei hatte Macron sogar mehrere Ministerinnen und Minister ins Rennen geschickt. In unserer Nachbarregion Integrationsministerin Brigitte Klinkert. Sie landete auf dem letzten von vier Plätzen. Aber immerhin, ein paar Macron-Leute sind jetzt im Regionalrat von Grand Est.

Richtig stark dagegen haben die Konservativ-Liberal-Bürgerlichen abgeschnitten. In Grand Est, wo traditionell ohnehin eher konservativ gewählt wird, aber auch im Rest von Frankreich.

Drei Wahlsieger haben sich schon startklar gemacht, die konservative Partei Les Républicains künftig anzuführen. Und da ist es wie in Deutschland: Wer Wahlen gewinnen kann, der wird auch an die Spitze einer Partei gewählt. Macron dagegen hat bei den jetzt vergangenen drei Wahlen eher verloren.

Da sind sogar die Linken Parteien besser. Die sind in Frankreich traditionell fürchterlich zerstritten. Haben es aber jetzt geschafft, sich in Bündnissen, unter anderem mit den Grünen, zusammen zu tun. Und siehe da: Funktioniert! Geschlossenheit funktioniert! Vielleicht können die Sozialisten, Grünen und andere Linke in Frankreich daraus tatsächlich was für die Präsidentschaftswahlen lernen.

Und dann war da doch noch was: Ach ja, die Rechtsaußen! Die sind abgeschmiert. Wobei die beschämend geringe Wahlbeteiligung nicht so viel aussagt. Aber dennoch: Der Rassemblement hat in keiner Region gewonnen. Noch nicht mal da unten in Nizza. In Grand Est sind sie allerdings an zweiter Stelle und haben bereits Rabatz angekündigt.

Ist diese Wahl jetzt ein Stimmungsbild für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Konservative sehr stark, Linke auch stark, Rechtsaußen mit Deckel drauf und Macron der große Verlierer?

Tja. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Seine hinunter. Und wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger.

Ein Kommentar von Lisa Huth

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 28.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja