Kommentar: "Mehr Tempo, mehr Mut!"

"Mehr Tempo, mehr Mut!"

Audio [SR 3, Voker Roth, 29.08.2019, Länge: 02:54 Min.]

Volker Roth   29.08.2019 | 16:30 Uhr

Es läuft nicht rund mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr. Wir haben darüber berichtet: Ein Gewerbegebiet wie der Lisdorfer Berg ist nur mit dem Auto zu erreichen. Und das ist offenbar kein Einzelfall. Das Saarland ist ein Autoland, aber so kann es nicht weitergehen. Was also muss passieren? Ein Kommentar von Volker Roth.

Ich habe mir vor gut zwei Jahren ein E-Bike gekauft. Seitdem fahre ich öfter mit dem Fahrrad zur Arbeit. Zugegeben, der kleine Motor schnurrt am Berg natürlich mit. Aber besser als nix, würde ich sagen, und vor allem: besser als Auto fahren. Das Auto bleibt an solchen Tagen daheim. Das ist gut für mich, also meine Gesundheit – und gut für die Umwelt.

Aber, ich bin ehrlich: Bei Regen steige ich nicht aufs Bike. Das geht schon allein deshalb nicht, weil ich dann nass im Büro rumsitze – oder mich auf der Toilette erst einmal umziehen muss. Und was mache ich dann? Ich nehme natürlich das Auto. Weil es so bequem ist. Aber nicht nur. Es gibt auch handfeste Gründe: Ich wohne zwar nicht allzu weit, aber im Saarpfalz-Kreis, da liegen zum Saarbrücker Halberg schon mal drei Waben dazwischen. Das ist teuer. Und weil es keine richtige Bus- oder Bahnverbindung gibt, die auch dann funktioniert, wenn ich mal länger arbeiten muss. Ich habe es ein paar Mal versucht, mit wechselndem Erfolg.

Saarland
Schlechte ÖPNV-Anbindung von Gewerbegebieten
Der öffentliche Nahverkehr im Saarland ist in vielen Fällen nur schlecht auf die Bedürfnisse von Berufstätigen abgestimmt. Das kritisieren der Verkehrsclub VCD Saar und die Plattform Mobilität SaarLorLux.

Damit ist das saarländische ÖPNV-Dilemma schon hinreichend beschrieben: Außerhalb der Saarbrücker Innenstadt fahren zu wenige Busse oder Bahnen, sie fahren nicht überall hin, und sie sind zu teuer. Das Waben-System durchschauen höchstens geübte Imker. Selbst mancher Busfahrer muss rechnen, bevor er einen Fahrschein ausdrucken kann.

Da muss sich schnell etwas tun, und am besten sollte es so einfach werden, dass es auch Gelegenheitskunden wie ich beherrschen. Weg also mit dem Wabensystem. Und her mit einer Lösung wie 365 Euro für 365 Tage. Das kostet zwar die öffentliche Hand etwas, aber Busse und Bahnen wären dann voller. Die Umwelt dankt es, und die vollgeparkte Saarbrücker Innenstadt würde attraktiver, auch außerhalb der Fußgängerzone. Luxemburg macht ab nächstem Jahr Busse und Bahnen gleich ganz kostenfrei, damit die Stadt nicht weiter im Dauerstau erstickt!

Außerdem müssen neue Verbindungen her, bei Gewerbegebieten beispielsweise muss von vorneherein der öffentliche Personen-Nahverkehr mit einbezogen werden. In Baden-Württemberg ist das der Fall. Warum wird eigentlich die Saarbahn nicht weiter ausgebaut? Die Saarbrücker Verkehrsbetriebe haben gerade versucht, einige Bus-Linien am Wochenende zu streichen – zum Glück haben sich der Betroffenen, beispielsweise am Klinikum Saarbrücken, die auch sonntags zum Dienst müssen, erfolgreich gewehrt!

Und mehr Fahrrad-Wege, vor allem sichere und regelmäßig gepflegte, würden dem Saarland auch gut zu Gesicht stehen. Und das nicht nur an touristischen Ecken, sondern ebenso in den Innenstädten, sei es in Saarbrücken, Homburg, Neunkirchen oder Völklingen. Denn die meisten Autofahrten sind Kurzfahrten.

Kurzum: Das zuständige Wirtschaftsministerium muss jetzt endlich die Verkehrsplanung vom Kopf auf die Füße stellen! Mehr Tempo, mehr Mut! Vom Bund sind dafür reichlich Fördergelder vorhanden. Man muss sie nur abrufen. Dann steige auch ich bei Regen in den Bus und nicht mehr ins Auto. Versprochen.

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