Zwischenbilanz zum 9-Euro-Ticket (Foto: SR)

"Bund und Länder sind gefordert, damit die positiven Effekte nicht verpuffen"

Stephan Deppen   31.08.2022 | 15:09 Uhr

Ab September gibt es kein 9-Euro-Ticket mehr. Dann ist das dreimonatige Sonderangebot für den ÖPNV in Deutschland ausgelaufen. Schade, findet SR 3-Verkehrsreporter Stephan Deppen im Kommentar.

Ich persönlich fand das 9- Euro-Ticket klasse. Es war preislich unschlagbar und super einfach in der Nutzung. Es galt ja überall in Deutschland. Nun müssen wir uns wieder in regionalen Tarifzonen, in Verkehrsverbünden oder mit einzelnen Busbetrieben zurechtfinden.

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Kommentar: "Bund und Länder sind gefordert, damit die positiven Effekte nicht verpuffen"
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 31.08.2022, Länge: 02:39 Min.]
Kommentar: "Bund und Länder sind gefordert, damit die positiven Effekte nicht verpuffen"

Im Saarland immerhin ein Verbundtarif

Das ist schade - war aber absehbar. Denn das, was jetzt als großer Vorteil des 9-Euro-Fahrscheins gefeiert wird, ist im ÖPNV-Alltag in weiter Ferne. Dabei können wir im Saarland ja noch froh sein. Wir haben einen Verbundtarif und seit vergangenem Jahr auch eine Tarifstruktur, die konkurrenzfähig ist.

Der viel diskutierte 365-Euro-Fahrschein ist für Auszubildende schon Realität, wenn sich der Arbeitgeber beteiligt, einzig Familien müssen noch immer tief in die Tasche greifen, wenn mehrere Kinder eine Fahrkarte brauchen.

Fronten zwischen Bund und Ländern

Nur das Angebot ist noch nicht so, dass die Vorteile von Flatrate-Monats-Tarif und Tageskarten schon voll zum Tragen kommen. Das soll anders werden. Aber soll ist eben noch Zukunft und nicht Gegenwart.

Jede Verbesserung kostet Geld. Geld, das die Länder gern vom Bund hätten. Deshalb sind die Fronten auch so verhärtet. Der Bund sagt: ÖPNV ist Länder- Sache, wir haben schon den 9-Euro-Fahrschein mit 2,5 Milliarden Euro finanziert, jetzt seid ihr mal dran. Zumindest einen Plan zu präsentieren, für den ihr dann Geld vom Bund haben wollt.

Länder haben Sommer nicht genutzt

Und hier haben die Länder den Sommer ungenutzt verstreichen lassen. Das ist bitter und nicht zu entschuldigen. Wer vom Bund Geld fordert, sollte wenigstens seine Hausaufgaben erledigt haben. Es gibt Bundesländer, da gibt es noch nicht einmal einen landesweiten Tarif, es gibt gleich mehrere Verkehrsverbünde, keine Länder-einheitliche Regelung der Fahrradmitnahme im Zug - und, und und...

Eine einfache Fortsetzung des 9-Euro-Fahrscheins ist keine Option: Milliarden, die dafür nötig sind, fehlen am Ausbau des ÖPNV. Es braucht bessere und häufigere Verbindungen, bessere Vernetzung, digitale zielgenaue Abrechnung, und so weiter. Alles machbar - aber es kostet. Und da darf dann auch gern bei Straßen-Großprojekten, die nicht zwingend notwendig sind, gestrichen und eine Kerosinsteuer eingeführt werden.

Soziale Komponenten bedenken

Alles nicht neu - es ist wie so oft eine Frage des Wollens. Der 9-Euro-Fahrschein hat für viele Menschen Mobilität für drei Monate signifikant preiswerter gemacht, nämlich für alle, die auch sonst den ÖPNV nutzen, vielleicht nutzen müssen. Zusätzlich zu dem Mobilitäts-Aspekt muss diese soziale Komponente bei einer Nachfolgeregelung bedacht werden. Die muss jetzt zeitnah umgesetzt werden. Damit die positiven Effekte des 9-Euro-Fahrscheins nicht verpuffen. Bund UND Länder sind gefordert.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" am 31.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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