Kommentar zur Lage bei NHG: "Noch ist nichts gewonnen"

"Noch ist nichts gewonnen"

Kommentar zur Streikunterbrechung bei Neue Halberg Guss

Karin Mayer   30.07.2018 | 16:30 Uhr

Die Beschäftigten bei Neue Halberg Guss arbeiten wieder. Der Streik wurde nach über sechs Wochen unterbrochen. Sie hoffen, jetzt auf den Schlichter, der ab dem 31. Juli im Tarifstreit vermittelt. Das heißt auch: Noch haben die Beschäftigten ihr Ziel nicht erreicht. Ein Kommentar von SR -Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer.

Saarbrücken
Streik bei Neue Halberg Guss ausgesetzt
Die Beschäftigten von Neue Halberg Guss haben nach über 40 Tagen Streik heute wieder die Arbeit aufgenommen. Der Streik wird aber nur ausgesetzt, so lange ein Schlichter nach einer Lösung sucht.

Über 40 Tage haben die Beschäftigten gestreikt. Über 40 Tage haben sie Streikposten gestellt, an Kundgebungen der IG Metall teilgenommen, Familienfeste gefeiert. Sie haben in der heißen Mittagshitze und in kühlen Sommernächten vor dem Werkstor gesessen. Sie haben dadurch auch Geld verloren. Zwar gibt es Streikgeld aber das ist kein voller Lohnausgleich. Sie haben damit große Stärke bewiesen.

Denn der Arbeitgeber hat von Anfang an versucht, Zwist und Häme und Zweifel zu säen. Die Beschäftigten seien dabei ihre Arbeitsplätze zu vernichten, so hieß es in offenen Briefen, die als ganzseitige Anzeigen für viel Geld in der Presse veröffentlicht wurden. Wichtige Kunden gingen so verloren und dafür machte die Geschäftsführung die Mitarbeiter verantwortlich.

Dabei ist der Investor Prevent doch für seinen schwierigen Umgang mit dem Hauptkunden bekannt. Preiserhöhungen, dann Lieferstopp – das war der Beitrag den die Geschäftsführung geleistet hat, um Kunden zu halten. Gleichzeitig wurde die gewinnbringende Gießerei in Südafrika in die Prevent-Gruppe ausgelagert und statt zu verhandeln, um den Streik zu beenden, hat man sich Zeit gelassen in der Chefetage. Vor vier Gerichte ist man gezogen.

Deshalb muss man sagen: Auch wenn der Konflikt weiter schwelt, die Beschäftigten, der Betriebsrat und die Gewerkschaft haben Recht. Sie wehren sich gegen ein Unternehmen, das offenbar angetreten ist, um Kapital abzuziehen und die Standorte auszubluten. Sie wehren sich gegen ein destruktives Geschäftsmodell, das trotzdem legal ist.

Die Politik hat zwar versprochen, zu helfen. Bis jetzt fehlt dafür aber die Handhabe. Und die muss her. Damit das Beispiel von Prevent oder auch Whitesell nicht länger Schule macht und am Ende sogar aufgeht. Deshalb ist der Streik bei Neue Halberg Guss von großer Bedeutung.

Noch ist nicht sicher, ob es gelingt, die Gießerei Neue Halberg Guss zu retten. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen. Und das ist schon mehr, als man erwarten konnte. Ein Stück weit gewonnen haben die Beschäftigten also schon jetzt. Sie haben gezeigt, dass sie nicht alles mit sich machen lassen. Durch den Streik ist der Zusammenhalt in der Belegschaft enorm groß. 

Umso wichtiger ist, dass nicht alles umsonst war. Die IG Metall muss ihre Strategie fortsetzen und nach einer dauerhaften Lösung suchen. Die gibt es nicht ohne den Hauptkunden Volkswagen. Ohne den Investor Prevent vielleicht schon. Denn es wird gemunkelt, dass es Kaufangebote für die Standorte gibt. Heißt aber auch: Es wird nicht mit offenen Karten gespielt. Der Schlichter hat jedenfalls keinen leichten Job übernommen. Dafür umso mehr Verantwortung.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" am 30.07.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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